Sondereinheiten.de :: Deutsche Spezialeinheiten im Internet


Schweizer illegale Geheimeinheit

SAS, SEALS, was auch immer - Fragen zu ausländischen Einheiten sind hier herzlich willkommen.

Schweizer illegale Geheimeinheit

Beitragvon HC am 21 Nov 2002 17:11

Vor ein paar Jahren wurde in der Schweiz eine illegale, geheime Einheit ähnlich der italienischen Gladio enttarnt. Das gab einen tierischen Terz weil Milizmitglieder wohl auch irgendwie drinhingen. Kann mich an keine Details erinnern (nicht einmal den Namen, P-irgendwas?), ausser dass das Internationales Waffen-Magazin einen höchst interessanten Artikel über das Waffenlager dieser Jungs brachte. Nur vom feinsten und allerneusten, inkl FN P90 und ähnlichem Geraffel!
Kann sich jemand (vielleicht gar die Schweizer?) an die Details erinnern? Hat jemand gar besagten Artikel archiviert und kann etwas aus dem Nähkästchen plaudern?

mfg

HANS
HC
 
Beiträge: 210
Registriert: 21 Feb 2002 02:00

Beitragvon Tell am 21 Nov 2002 20:43

Hab dazu einen Artikel gefunden:

P26 - Geheimarmee der Schweiz

1990: Die PUK EMD entdeckt bei ihren Untersuchungen im Zusammenhang mit der Fichenaffäre (1989 über 900'000 Personen auf Karteikarten - sog. Fichen - erfasst) die geheime Armee P 26 und den geheimen Nachrichtendienst P 27. Diese privaten Verbände sind mit Waffen und Sprengstoff ausgerüstet. Im Falle eines Krieges wären sie ohne weiteres in Aktion getreten. Der Bundesrat hat keine Möglichkeit sie im Kriegsfall zu kontrollieren.

Die Parlamentarische Untersuchungskommission stellte fest, dass die »P26« als Geheimorganisation wirkte, für die es weder eine rechtliche Grundlage, noch eine parlamentarische Kontrolle oder politische Zuständigkeit gab und die somit verfassungswidrig agierte. Es bestand »die Gefahr eines Missbrauchs durch Selbstaktivierung«, hiess es im Bericht der Parlamentarier. Zu den Einsatzplänen der »P26« habe auch die Variante eines »Umsturzes im Inneren« gehört. Weiter: »Dieses Szenario schliesst nicht aus, dass die Organisation auch bei einem in demokratischen Formen zustande gekommenen Machtwechsel eingesetzt werden könnte.« Dem habe auch entsprochen, dass der militärische Geheimdienst, darunter die UNA, entgegen ihrem Auftrag auch im Inland spionierte. Linke und Grüne sahen, ähnlich wie bei der Praktizierung der Spannungstrategie durch Gladio in Italien, die »P 26« in die Sprengung von Strommasten in der Nordschweiz und die Bedrohung prominenter AKW-Gegner bei den Auseinandersetzungen um das AKW Kaiseraugst verwickelt.

Bei den Untersuchungen kam ans Licht, dass auch in der Schweiz ein Vorgehen der Untergrundarmee nicht erst im Kriegsfall, sondern bereits vorher gegen politische Gegner vorgesehen war. Das wurde am Beispiel des sogenannten Fichenskandals sichtbar, den Enthüllungen über die von den Geheimdiensten angelegten zivilen und militärischen Internierungslisten, auf denen die Namen von etwa 10'000 »Verdächtigen« und »Extremisten« erfasst gewesen sein sollen. In einer bereits 1959 herausgegebenen speziellen Geheimdienstinstruktion hiess es: »Unzuverlässige Elemente, Ausländer, Verdächtige werden überwacht oder vorsorglich in Lagern untergebracht.« Bei den Untersuchungen kam ans Licht, dass auch in der Schweiz ein Vorgehen der Untergrundarmee nicht erst im Kriegsfall, sondern bereits vorher gegen politische Gegner vorgesehen war. Das wurde am Beispiel des sogenannten Fichenskandals sichtbar.

Der Chef der P-26 war 1990 Generalstabsoberst Efrem Cattelan, Codename Rico, der die Tarnfirma Consec AG für Personal- und Kaderschulung an der Freien-Strasse in Basel führte. Der frühere Vizedirektor der National-Versicherung hatte lange Zeit als Armee- und Offiziersausbildner gedient. Rund 400 Leute (Sollbestand 1000) standen unter seinem Kommando. Finanziert wurde die Gruppe aus Kreditüberschüssen der ordentlichen Waffenbeschaffung und aus Zinserträgen von vorfinanzierten Rüstungsverkäufen. So flossen etwa elf Millionen Franken pro Jahr von Bern nach Basel.

Geheime Waffendepots, die 1990 in einem technisch modernen Zustand, waren über das ganze Land verstreut. In ihnen befanden sich Maschinenpistolen, Gewehre mit Schalldämpfern, Granaten usw. Eine geheime Anlage befand sich bei Gstaad, sie soll seit 1983 benützt worden sein. Cattelan ist am 30. Juni 1979 vom Generalstabschef Hans Senn, anderen Zeitungsmeldungen zufolge Richard Ochsner zum Gehalt von 240.000 Schweizer Franken als Leiter des Projekts 26 angestellt worden. 1988 liess der damalige Generalstabschef Goldplättchen im Wert von sechs Millionen Franken als Kriegskasse der P26 bei verschiedenen Banken einlagern.
Benutzeravatar
Tell
 
Beiträge: 22
Registriert: 20 Nov 2002 21:22
Wohnort: Schweiz

Beitragvon T.S.C.Plage am 21 Nov 2002 21:50

Unglaublich!!! :o

Also sozusagen "hablegal" vom Staat finanziert?

Das erinnert mich verdammt an NS-Zeiten...so vonwegen:

»Unzuverlässige Elemente, Ausländer, Verdächtige werden überwacht oder vorsorglich in Lagern untergebracht.«


Gruß
Plage
Und wandere ich im finsteren Tal, so fürchte ich mich nicht, denn der schlimmste Kerl im Tal, der bin ich.
Benutzeravatar
T.S.C.Plage
 
Beiträge: 536
Registriert: 26 Okt 2002 14:49
Wohnort: Berlin

Beitragvon Pascal am 21 Nov 2002 22:01

Das ist schon ein starkes Stück, was bei euch in der Schweiz so abgeht :o .
Pascal

Si vis pacem para bellum
Benutzeravatar
Pascal
 
Beiträge: 1825
Registriert: 18 Jul 2001 02:00
Wohnort: Vlotho

Beitragvon Noob am 21 Nov 2002 22:59

@HC leider hab ich die alten nummern des Waffenmagazins nicht mehr, ich wiess auch nicht ob du den fall p26/p27 meintest oder die affäre bellasi, auf jedenfall erinnere ich mich lebhaft and die arsenale :o

ansonsten kann ich nur sagen das die die erwähnten dienste wohl kaum aufgelöst wurden, sonderne eher "schlafen geschickt" wurden.

dazu ein paar anmerkungen: die schweiz ist, ob man jetzt die verfassung anschaut oder einen blick in die schweizer volkseele tut, kein rechtsstaat, sondern eine demokratie. das mag für sie befremdlich klingen, aber es ist nunmal so.
durch eine ausgeprägte dezentralisierung, einen föderalstaat, und ein weitreichendes milizsystem sind soche praktiken möglich. da die meisten schweizer sowohl zivilist als auch soldat sind, lassen sich geheime aktivitäten wunderbar in den privaten sektor verschieben. das ganze wird geduldet, bzw "übersehen" solange es nich fundamentalen interessen der schweiz zuwieder läuft. nun p26/p27 waren kinder des kalten krieges, in diesem bereich wurden die kapazitäten wahrscheinlich etwas zurückgefahren. meines wissens (insofern man das so nennen darf) gab/gibt es auch noch einen verein namens p22, zuständig für wirtschaftliche spionage/sabotage im banken/versicherungssektor, auch hierfür lassen sich milizoffiziere in kaderstellungen hervoragend nutzen. das ganze braucht nicht ein mal offiziell zu geschehen, da alle personen in diesem fall als zivilisten handeln, bis ihnen gegenteiliges nachgewiesen wird. ihnen als deutsche mag das sonderbar erscheinen, aber sie sollten wissen, das die schweizer gesellschaft bis anfang der 90er sehr stark vom militär geprägt war, wohl stärker als jede andere demokratie der westlichen welt. aktivitäten wie diese wurden nicht unbedingt von zentraler hand geplant, wohl wurden sie bewilligt und nach kräften unterstützt, aber in einem system wo ein bankdirektor auch noch oberst ist, ein bäcker nahkämpfer, und ein bauer zündmineur, kann sich auch eine gewisse eigendynamik entwickeln.

letzter fall war die eingangs erwähnte affäre bellasi, ein mitarbeiter des schweizerischen nachrichtendienstes una hat ca 9 mio sfr abgezweigt und damit einerseits seinen ausschweifenden lebenswandel finanziert, andererseits ein gewaltiges arsenal an modernsten infanteriewaffen zusammengekauft. unter anderem eine komplette ausgabe der ak47 modellreihe (feindwaffen), mindestens 5 fn p90, diverse sturmgewehre (ar10, steyer aug, galil...), diverse scharfschützengewehre, unter anderem ai, steyer, sig, hk, diverse maschinenpistolen, (hk, beretta skorpion, uzi...) sowie weitere sehr interesante fabrikate (erinnere mich ein vollschallgedämftes israelisches kurzgewehr gesehen zu haben*). nun ja, herr bellasi wurde erwischt, bekannte sich schuldig, und wurde verurteilt. das ein einfacher beamter 9 mio sfr veruntreuen konnte und sich damit über 100 bewilligungspflichtige waffen kaufte ist das eine. das teilnehmer des andernorts erwähnten commandokurses der FDiv6 bestättigten im jahr vor bellasis verhaftung mit ebensolchen waffen trainiert zu haben, und die teilnehmer des nächsten jahres nur noch mit stgw90 ausgebildet wurden ist eine andere sache.
herr bellasi hat geschwiegen, seine strafe akzeptiert und wird sie bald abgesessen haben. sein schweigen wird höherenortes sicher wohlwollend zur kenntnis genommen worden sein. (der letzte una-mitarbeiter der vor einem gericht ausagte das er geheimagent sei, wurde daraufhin wegen landesverrats angeklagt und auch verurteilt, mit dieser vorstrafe können sie nur noch auswandern, aber zwischen rhein und rone werden sie nicht mehr glücklich!)

es wird sicher noch viele solche geschichten geben, die meisten bis heute unbekannt.

durch das ende des kalten krieges und der wandlung der bedrohungsszenarien dürften aber auch ein guter teil dieser aktivitäten zurückgeschraubt worden sein.
es ist wohl die schwäche und die stärke des schweizer militärs, das es so eng und untrennbar mit der zivilen gesellschaft vernetzt ist.




*die waffen wurden beschlagnahmt und anschliessend öffentlich versteigert, das waffenmagazin brachte einen ausführlichen auktionskatalog, das ai soll ca 2000.- gebracht haben, die fn's gingen für ca 1000.- weg)
Sic transit Gloria Mundi!
Noob
 
Beiträge: 42
Registriert: 01 Jul 2002 21:13

Beitragvon T.S.C.Plage am 21 Nov 2002 23:15

Dazu muß ich mal ein paar Fragen stellen bzw. einfach was sagen.

1. Wenn die Organisation nur "schlafen" geschickt wurde, ist das also alles legal gewesen?

2. Wenn die Schweiz kein Rechsstaat ist, was dann? Habt ihr keine Gesetzbücher auf denen euer Staat aufgebaut ist?

3. Das mit der Miliz ist doch nur eine andere Umschreibung für Reservisten und bis auf das ihr Schweizer noch eure Knifte mit nach hause bekommt, sehe ich keinen (gravierenden) Unterschied zu uns.
Was meinste du denn z.B. wieviel Bankdirektoren bei uns Oberst d.R. sind?

4. Hat sich die Schweiz doch immer als neutral bezeichnet und hat somit auch nix mit dem "kalten Krieg" am Hut.

Ansonsten kann ich nur sagen, daß wenn es wirklich so ist wie von Noob geschrieben, hat die Schweiz in meinen Augen verdammt viel an Ansehen verloren. Das sind ja Verhältnisse wie bei den Hottentotten!

Gruß
Plage
Und wandere ich im finsteren Tal, so fürchte ich mich nicht, denn der schlimmste Kerl im Tal, der bin ich.
Benutzeravatar
T.S.C.Plage
 
Beiträge: 536
Registriert: 26 Okt 2002 14:49
Wohnort: Berlin

Beitragvon Der Weisse Hai am 22 Nov 2002 00:13

Wer die Werke von Dachs kennt, oder selbst "nur" das Schweizer Soldatenbuch und "Zivilverteidigung", den wundert die Diskussion um P26/ P27 etwas. Ich kann den eigentlichen Skandal nicht völlig erkennen, da der umfassend organisierte Widerstand schon immer (vorbildliche) Schweizerische Lehre war.

Zum Thema Rechtsstaat: Man unterscheide den formellen (staatliches Handeln an Recht und Gesetz gebunden) und den materiellen (Recht und Gesetz an höherwertigen, ideellen Normen und Werte - Menschenrechte et cetera - ausgerichtet). Etwas nachdenklich in bezug auf den Rechtsstaat Bundesrepublik derzeitiger Ausprägung stimmt der Satz der Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley: "Wir haben Gerechtigkeit erwartet und den Rechtsstaat bekommen."
Benutzeravatar
Der Weisse Hai
Administrator
 
Beiträge: 8917
Registriert: 17 Jul 2001 02:00

Beitragvon Noob am 22 Nov 2002 00:35

1. nein illegal da staatsfeindlich und nicht kontrolierbar. aber du kannst schlecht 800 leute von denen du 90% nicht mal kennst einsperren. die arsenale wurden soweit bekannt aufgelöst. allerdings waren es bei weitem nicht nur waffen, sondern auch natokompatible fernmeldesysteme, bauliche infrastruktur etc. ich glaube kaum das die una auf ihr lieblingsspielzeug einfach so verzichtet. die p26 wurde als geheime wiedrestandsarmee erdacht, und mit material ausgerüstet, das im ernstfall kaum hätte nachbeschaft werden können.
ach ja, kavernen gibts gar viele :wink:

@wh: der skandal war nicht das es sie gab/gibt(?), sondern das sie sich erwischen liessen. ausserdem wird eine schwerbewaffnete und hochtrainierte wiederstandstruppe in friedenszeiten nicht gerne gesehen. besonders nicht wenn sie in der lage wäre ohne jegliche staatliche kontrolle autonom zu agieren.


2. selbstverständlich haben wir gesetzbücher, aber jeder der hier lebt weiss, das im endefekt der volkswillen obsiegen wird, egal was in den büchern steht. dabei meinte ich nicht umbedingt dinge wie zivil-, obligationen- oder strafrecht, sondern mehr den staatstragenden gedanken, das was uns letzendlich zu schweizern macht. und diesbezüglich "scheissen" wir auf das recht und glauben dafür an die demokratie. in kriegs und notzeiten führte das öfters dazu das dinge "intern" geregelt wurden. so stieg die zahl von berg und ertrinkungsopfern in den jahern 44-45 um ca 300% an. das die meisten opfer entweder politisch missliebige "fröntler" (braune schweizer) oder sonstwie mit nazi-deutschland verbandelt waren sollte nicht überraschen. die polizei kam den ermittlungen zum teil mehr als nur lax nach :wink:
solche praktiken kommen heutzutage natürlich nicht mehr vor. allerdings werden auch heute noch viele dinge "intern" geregelt also ohne die gerichte einzuschalten, vetternwirtschaft ist hierzulande zumteil stark ausgeprägt, dies muss nicht immer in finanzieller korruption enden. viele dieser dinge gründen auf der dezentralisierung, dem föderalistischen system und dem milizsystem (miliz gibts nicht nur im militär, sondern auch in politik und justiz, so gibt es nebenamtliche richter, und jedes mitglied der legislative ist sowieso nur nebenamtlich tätig, vom stadtrat bis zum nationalrat). dazu kommt dann noch eine starke direkte demokratie wo der bürger vom kleinsten hennenschiss bis zur bundesverfassung alles bestimmen kann, sowie eine gewisse geographische kleinräumigkeit. kantone mit weniger als 50000 einwohnern und kleine gemeinden, jeder kennt jeden. sie können sich also vorstellen wie weit sie mit dem gesetzbuch kommen. dem schweizer ist der volkswillen heilig, bücher sind nur bedrucktes papier.
kleines beispiel? die scheizer atomenergiebehörde nagra hat nach umfangreichen probebohrungen einen geeigneten standort für ein atomares endlager gefunden. im betroffenen kanton (nidwalden) wurde umgehen ein referendum gegen dieses lager beschlossen. obwohl die nagra mittels höherem bundesrecht das endlager de jure durchsetzen könnte, wagt keiner dies zu tun. erstens würde der landesweite volkszorn über die missachtung eines volksentscheides mehr als nur einen kopf fordern, und zweitens würde am tag des baubeginns jeder polizist im umkreis von 50km entweder krank, im urlaub oder anderssweitig beschäftigt sein. und mistgabeln sind bekanntlich recht schmerzhaft.*
weitere beispiele finden sich zuhauf. mag befremdlich wirken, aber so leben wir nun mal.

3. allerdings hatten sie kaum einen anzahl von mehr als 10% aktiven milizdienstleistenden gemessen ander gesammtzahl der bevölkerung und ca 45% ada's oder ehemalige ada's (angehöriger der armee), oder hatte die bundeswehr mal einen sollbestand von 8 millionen mann?. kaderpositionen konnte nur erreichen wer offizier war, gewisse formationen waren nur für gewisse bevölkerungsteile zugänglich etc. ich glaube doch das das schweizer milizsystem noch ein bisschen ausgeprägter war als das deutsche, besonders wenn man sollstärke und bevölkerungszahl in relation setzt. auch kulturell und gesellschaftlich hat es sich wohl weitaus stärker ausgewirkt.

4. klar, die sowjetischen panzerdivisionen hätten die flagge gesehn und gedacht "oh das dürfen wir nicht, die sind neutral". daraufhin hätten sie um 90° gedreht und die schweiz weiträumig umfahren :roll:
nun ja, letzthin konnte man russische generalsstabskarten der schweiz kaufen, eingezeichnet alle panzertauglichen strassen und brücken. war ganz lustig meinen heimatort mal auf kiryllisch geschrieben zu sehen :wink:
der gedanke des totalen widerstandes, notfalls bishin zur totalen selbstzerstörung war weitverbreitet. viele, im eigenlichen sinne faschistische tendenzen, wurden damals von der schweizer "armeekultur" begünstigt. wir sind daran diese dinge aufzuarbeiten.

und wegen dem ansehen so ist die schweiz nach wie vor ein guter platz zum leben und ein land auf das ich sehr stolz bin. allerdings sollten sie nicht irgendwelche wunschvorstellungen aus der milkawerbung hineinprojezieren, auch hier gibt es eine harte wirklichkeit. und ich glaube das auch andere länder (frankreich beispielsweise, wahrscheinlich auch die brd) noch ziemlich gewaltige leichen im keller haben. ob diese vergangenheit aufgearbeitet wird oder nicht bleibt ihnen überlassen, das schweizer parlament hat sich jedenfalls entschieden einen guten teil der altlasten aus dem kalten krieg im mülleimer der geschichte zu entsorgen. besser man siehts realistisch als das man irgendwann ein böses erwachen hat.


*falls die urner jemalls aus protest den gotthard mittles lastwagen blockieren würden, können sie sicher sein das kein polizeibeamter in der schweiz binnen 24 stunden auch nur einen finger rühren würde. :)
Sic transit Gloria Mundi!
Noob
 
Beiträge: 42
Registriert: 01 Jul 2002 21:13

Beitragvon wolverine am 22 Nov 2002 10:12

Danke Noob für diese interessante Darstellung.

Auch wenn mir viele Details und schweizer Interna nicht bekannt waren, so bestätigt Ihr Bericht doch viele meiner Gedanken, die ich bereits zu anderen Sachverhalten geäussert habe.
Wir müssen endlich begreifen, dass es kein Schwarz und Weiss oder Gut und Böse gibt.
Jeder Staat hat ein gewisses Eigeninteresse und einen "Überlebenswillen" der sein Handeln bestimmt. Dieser wird je nach politischer "Großwetterlage" offen erklärt oder aber auch kaschiert mit Tarnmänteln wie Völker- und Menschenrechten. Schon Carl Schmitt sagte: "Wer Menschheit sagt, will betrügen!"
Ich habe mich stets gewehrt, wenn den USA oder Israel vorgeworfen wurde, dass ihre Politik bzgl. Antiterrorkampf oder Menschenrechten heuchlerisch sei, unser Engagement auf dem Balkan oder wo auch immer hingegen nur von reinster Nächstenliebe motiviert sei.
Die Wahrheit ist schlicht und hart: Ein Staat wird tätig, wenn es ihn nützt oder notwendig erscheint - und irgendwie ist das auch gut und richtig so.
Es gäbe jetzt sehr viele einzelne Punkte dabei zu diskutieren - und ich bin auch gerne bereit dazu - jedoch möchte ich hier keinen Mehrseiter schreiben. Ich stelle das oben Gesagte einmalö in den Raum und warte auf Erwiderungen.
"Was ist Gewalt anderes, als Vernunft die verzweifelt; als ultima ratio?" Ortega y Gasset, Der Aufstand der Massen
Benutzeravatar
wolverine
Moderator
 
Beiträge: 1532
Registriert: 26 Mär 2002 02:00
Wohnort: Düsseldorf

Beitragvon T.S.C.Plage am 22 Nov 2002 16:50

Ja, besten dank auch von mir für die ausführlichen Antworten bzw. Darstellungen!

Ist schön zu hören, daß in der Schweiz noch die Bürger das Sagen haben. Das es dort Volksentscheide gibt, wußte ich schon aber das auch solche "Boykotts" stattfinden war mir nicht bekannt. Ich würde mir für Deutschland ein ähnliches System wünschen, da ja bei uns garnix mehr vom Volk entschieden wird.

Gruß
Plage
Und wandere ich im finsteren Tal, so fürchte ich mich nicht, denn der schlimmste Kerl im Tal, der bin ich.
Benutzeravatar
T.S.C.Plage
 
Beiträge: 536
Registriert: 26 Okt 2002 14:49
Wohnort: Berlin

Beitragvon Der Weisse Hai am 06 Jul 2007 14:28

In der aktuellen Truppendienst (3/2007) findet sich ebenfalls ein Artikel über P-26.

DWH
Semper Et Ubique
Bild
Benutzeravatar
Der Weisse Hai
Administrator
 
Beiträge: 8917
Registriert: 17 Jul 2001 02:00

Beitragvon Alex_b am 06 Jul 2007 15:51

2002 -----> 2007 :o

Da haben die wirklich den finger auf den pulse.
Alex_b
 
Beiträge: 1730
Registriert: 02 Aug 2004 13:30

Beitragvon Glorfindel am 06 Jul 2007 18:42

Meine Einschätzung:

ich glaube auch, dass die P27 eine Umsetzung von von Dach ist. Ziel war es, aus zerschlagenen Armeeverbänden eine Widerstandorganisation aufzubauen. Da dann auch die militärische Führung zerschlagen war ist, war die P27 v.a. eine zweite Führungsstruktur, die bereits aufgebaut war. So bestand die P27 ja v.a. eine Kaderorganisation. Im geheimen hatte man diese Führungsorganisation bereits aufgebaut, so zum Beispiel irgendein Hauptmann in einem Bataillons oder Regimentsstab, der komischerweise eine Generalstabsausbildung hatte, sollte dann in einem Raum nach Zerschlagen der Schweizer Armee lokaler Chef des Widerstandes werden.

Schlussendlich ist das Geschrei um die P26 und P27 nur halbsowild. Das muss halt im Kontext des Kalten Krieges gesehen werden. Die Schweiz besass und besitzt eine gefestigte Demokratie, da ist sowas nicht gleich staatsgefährend, sondern halt einfach eine Planung für den Fall aller Fälle. Dass man in der Schweiz den Kalten Krieg sehr ernst nahm, zeigt ja die starke Armee, die man damals unterhielt, die vielen Festungen, dass der Verteidigungsgedanke überall Einfloss (inklusive Planung von Strassen, Brücken, Flüssen etc.) und den sehr gut ausgebauten Zivilschutz.
Glorfindel
 
Beiträge: 73
Registriert: 27 Mai 2004 12:06

Beitragvon BFH am 08 Jul 2007 21:24

Im kalten Krieg war das ja hier bei uns auch nicht viel anders, was Bauten betrifft. Da gibts ein paar interessante Seiten zu z.B. Lostplaces.de, da kann man schnell mal ein paar Stunden "verlesen".
Insgesamt ist der kalte Krieg und die Planungen, wenn er heiss werden sollte, ein spannendes Kapitel Geschichte.
Montagsdemos sind das Filetstück deutscher Jammerkultur
BFH
 
Beiträge: 580
Registriert: 18 Mär 2005 21:23
Wohnort: Ananas auf dem Meeresgrund

Re: Schweizer illegale Geheimeinheit

Beitragvon Kandak am 09 Jul 2007 08:36

HC hat geschrieben:Vor ein paar Jahren wurde in der Schweiz eine illegale, geheime Einheit ähnlich der italienischen Gladio enttarnt.

Italienisch, Griechisch, Türkisch, Deutsch, Belgisch, Französisch........die halbe NATO auf dem europäischen Festland war darin verwickelt.
Dazu:
- Gladio, das Erbe des Kalten Krieges; Leo A. Müller
- Gladio, die geheime Terrororganisation der NATO; Jens Mecklenburg
Gesponsert von der NATO, geführt in Brüssel und ausgeführt durch Rechtsradikale innerhalb eines europäischen Netzwerkes. So zumindest wenn man den linksintellektuellen Autoren Glauben schenken darf.Da darf die Schweiz natürlich auch nicht fehlen.
Kandak
 

Nächste

Zurück zu Internationale Einheiten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Google [Bot], MSN [Bot] und 1 Gast