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ISAF - Aktuelle Entwicklungen (Forts. II)

Politische Diskussionen, die nicht direkt etwas mit den Einheiten zu tun haben (z.B.: "Was haltet Ihr von einem Einsatz des KSK in Afghanistan?") und Zeitungsartikel können hier diskutiert werden.

Re: ISAF - Aktuelle Entwicklungen (Forts. II)

Beitragvon Gedönsmoped am 16 Dez 2009 17:07

Falls wir uns an FOB´s versuchen, kann man nur für alle eingesetzten Soldaten hoffen das es sich nicht mal wieder um eine halbschwangere Geschichte handelt.

Ein FOB der nicht gebaut ist wie eine Festung und über schnell verfügbare Unterstützung wenn nicht gar Entsatzung per Luft verfügt ist der Traumort für ein Massaker. Das sie das wissen und umsetzen können haben die Afghanen schon hinreichend an den sowjetischen Truppen bewiesen.
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Re: ISAF - Aktuelle Entwicklungen (Forts. II)

Beitragvon Multivac am 16 Dez 2009 18:28

Der Herr Arnold fürchtet also einen "Staat im Staate" und vermutet diesen im KSK.

Wenn er nach Gruppierungen sucht, bei denen die vorgesehen Kontrollgremien jämmerlich versagen,
die parlamentarische Kontrolle schwer zu wünschen übrig lässt, wo gelogen wird, dass sich die Balken
biegen, Tatsachen verschwiegen oder verdreht werden wenn denn mal was ´rauskommt und überhaupt
nie einer von was gewusst hat, in denen obendrein rechtskräftig verurteile Straftäter Macht und Einfluß
haben braucht er sich nicht die "Würstchen" vom KSK vorzunehmen.

Dann sollte er lieber seine restliche (kurze) politische Laufbahn den Parteien widmen.

Dass die Unsitte, jedesmal wenn ein mikrofonähnlicher Gegenstand in Richtung eines Politikers gehalten
wird, ungeachtet der eigenen Inkompetenz ein - möglichst markiges - Statement abzugeben, auch einen
Herrn Arnold erreicht hat, ist nicht verwunderlich. Zuzugeben, nicht ausreichend informiert zu sein, um
eine qualifizierte Stellungnahme zu diesem Zeitpunkt abgeben zu können, ist so etwas von "out"...

Schlimmer ist, dass solche Hohlschwätzer Gehör finden. Kritisches Hinterfragen ist wohl "Megaout".

Es war das KSK. Oder der BND. Irgendwas mit drei Buchstaben halt, von mir aus die KSK - den Bänkern
ist ja alles zuzutrauen.

An diesem Beispiel sieht man wieder: Die Dummen sterben nicht aus. Auch ein A. hat Wähler...


Schwer bedenklich finde ich hingegen, wenn selbst in militärischen Kreisen die Frage aufkommt, weshalb
der Kommandeur des PRT Kunduz seinen Politruk ... ähem ... pardon ... Rechtsberater nicht befragt hat.

Oder zumindest den LdP, gell?

Wo kommen wir denn hin, wenn jeder Kommandeur selbst entscheidet? Sich seiner Verantwortung stellt?

Eben.

Für diese Leute habe ich einen kleinen Hinweis.

Einsätze der Bundeswehr, ROE oder das Targeting beginnen nicht in Kunduz - dort werden solche Dinge
lediglich in Handlungen umgesetzt. Diese Aktivitäten beginnen weit bevor Bomben abgeworfen werden in Berlin
(oder Washington...).

Wenn in Afghanistan deutsche Soldaten fallen oder Taliban getötet werden, es dabei auch zivile Opfer gibt (die
Selbstmordattentate und Anschläge der Taliban sind auch keine "chirugischen Operationen" gewesen...), ist die
Entscheidung dieses in Kauf zu nehmen lange davor von Politikern getroffen worden.

Im Falle der Bundeswehr mit einer parlamentarischen Mehrheit.

Was noch bleibt: Allen, die jetzt schreien "Das habe ich nicht gewollt" diesen Zahn zu ziehen. Ohne Betäubung.
Doch, ihr habt es gewollt. Seit Jahren. Sonst wären die Mehrheitsverhältnisse in Bund und Ländern andere.


Themenwechsel.

Der Klein, wie konnte er nur!

Jetzt werde ich auch mal eine Vermutung los. Im Gegensatz zu diversen Politikern mit fundiertem Hintergrund, auch wenn
mir der genaue Sachverhalt ebenfalls nicht bekannt ist.

Ich vermute, dass sich die Kameraden im PRT Kunduz - und zwar alle, bis hin zum Kommandeur - in der letzten Zeit
wie am Computer mit einem minderwertigen Virenscanner gefühlt haben müssen.

Ein "Virenalarm" jagt den Nächsten. Hier heißen die Dinger dann allerdings "Warnhinweis", "Warnmeldung" oder sonst wie.

Mit mehr oder weniger Substanz, mehr oder weniger durch Hinterfragen mit Fakten zu untermauern, vielfach einfach nur
vage und wie sich - hinterher - herausstellt: Falsch.

Da gibt es dann zwei Möglichkeiten. Entweder, man stumpft ab und ignoriert den "Kram" oder man bekommt als Verantwortlicher
für so ein Feldlager ein Jucken, wo man sich nicht kratzen kann.

Rhetorische Frage: Was für eine Art Kommandeur ist einem da lieber?

Das "würze" ich mit ein paar Tatsachen.

Eigene Mittel und Möglichkeiten:

- Dürftig. Nach allem, was bisher bekannt ist, wurde selbst die (Luft-) Aufklärung nicht von eigenen
Kräften durchgeführt;

- CAS? Fehlanzeige. Geht nur mit Unterstützung der US Air Force / Verbündeter. Nur, deren Einsatzflugplätze sind nicht Kunduz oder
MeS, sprich die Verweildauer im Luftraum über dem Zielgebiet ist begrenzt;

- "Show of Forces" nutzt sich als Abschreckungsmittel ab. Da spricht der "Augenzeugenbericht" des Fahrers Bände.

In der Region Kunduz ging es den Taliban - und möglicherweise auch der Bevölkerung - zu lange zu gut. Im Süden wäre mit Sicherheit
niemand auf die schwachsinnige Idee gekommen, um gekaperte ISAF - Versorgungsfahrzeuge mitten in der Nacht ein Volksfest zu
veranstalten und Flugzeugturbinen zu ignorieren.

Wenn es denn "die Bevölkerung" war.

Wie sieht ein Taliban aus?

Kinder, dazu noch männlichen Geschlechts? Was ist für den Berichterstatter ein "Kind"?

Während hierzulande ein Straftäter mit einem imposanten Register bis zu seinem 14 Lebensjahr noch nicht einmal schief von der
Polizei angesehen werden darf, kann sein afghanisches Pendant bis dahin in tiefdunkler Nacht und mit verbundenen Augen seine
Kalaschnikov zerlegen und wieder zusammensetzen.

Für die afghanische Gesellschaft ist ein 13 - jähriger Junge kein Kind mehr - und wenn man diese Information in unsere "Gutmenschen"
hineinzwingen muss: ein toter Taliban ist nur an seiner AK-47 oder der RPG-7 etc. von einem toten Zivilsten zu unterscheiden.

Sofern am Tatort nicht "aufgeräumt" wurde. Die Taliban - Führung zumindest ist über die Wirkung einer "geschönten Wirklichkeit" in der
westlichen (Presse-) Welt bestens informiert.


Zu guter Letzt hat Oberst Klein auch noch die anschließende Aufklärungsarbeit verhindert / behindert.

Wie schändlich.

Oder hat er nur auf Grund der unklaren Sicherheitslage niemanden aus dem Feldlager gelassen?

Man kann jetzt sagen, wären ja nur ein paar Feldjäger gewesen.

Muss man aber nicht.

Soldaten, deren Leben und körperliche Unversehrtheit dem Kdr PRT Kunduz ebenso anvertraut war, wie alle anderen im Feldlager auch.

Er hat den OFw X. zum Stillschweigen vergattert - na und? Wenn man jetzt nicht unterstellt, dass Klein ein Psychopath reinsten Wassers
ist, eine normale Reaktion. Auch ein Oberst Klein muss wissen, dass dieser Soldat gegenüber dazu autorisierten Stellen sich nicht darauf
berufen kann - aber eben auch nur diesen gegenüber. "BILD", "Stern" oder "Spiegel" gehören nicht dazu, "Kantinenbekanntschaften" auch
nicht.


Bleibt noch der "geheime NATO - Bericht" aufzuarbeiten.

So etwas kommt nicht "zufällig" an die (Presse-) Öffentlichkeit. Das war gezielt. Irgendwer oder irgendwas sollte diffamiert / diskreditiert
werden. Und üblicherweise hält man sich in Berichten, die allen - auch der betroffenen - Nationen zur Verfügung gestellt werden sollen,
mit Werturteilen über diese zurück. Das gilt bei "NATO´s" auch für militärische Berichte.

Wohingegen man in nationalen Papieren schon mal kein Blatt vor den Mund nimmt.

Hier muss man sich Fragen, "Wem nützt es?" / "Wer stellt jetzt welche Forderungen?"

Lathern ... pardon ... lassen wir uns überraschen.

Grüße
Multivac
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Re: ISAF - Aktuelle Entwicklungen (Forts. II)

Beitragvon mark23 am 16 Dez 2009 22:32

in einer weitgehend idolfreien zeit katpultiert sich plötzlich ein hauptfeld mit dem spruch des jahres in die kandidaten liste(auch ansonsten erfrischend anderer Beitrag vom ollen Ulli Gack;man beachte den Helm)
"alle die in deutschland müll erzählen, Helm auf, und hier antreten"
Der Mann erhält hiermit meinen persönlichen anti orwell preis

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanaluebersicht/aktuellste/331022#/beitrag/video/927744/Deutsche-Soldaten-unter-Beschuss/
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Re: ISAF - Aktuelle Entwicklungen (Forts. II)

Beitragvon n00b am 17 Dez 2009 02:14

So, zum Herrn Arnold: Man braucht sich eigentlich nur seinen Lebenslauf anzuschauen und schon kann man regelrecht fühlen, welch berufener Mund spricht. http://www.bundestag.de/bundestag/abgeordnete/bio/A/arnolra0.html

Ich habe dem Mann ja eine fragende E-mail geschickt, da er ja für mich als beunruhigter Bürger einer der wenigen echten Aufkärer in dieser Sache zu seien scheint und ja auch moralisch - v.a. wie er sich hinter die Männer, die er (mit) in den Einsatz geschickt hat, stellt - von höchster Güte ist. Leider hat der Gute aber keine Zeit auf eine durchweg höfliche Nachfrage zu antworten, aber ich verstehe das ja: Er und sein Stab müssen schwer beschäftigt sein den Staat im Staate aufzudecken, niemand sonst will ihnen ja helfen...

In diesem Sinne, schreibt dem werten Herrn doch auch einmal eine Nachricht, vielleicht antwortet er ja doch noch. Oder aber nicht, weil Antworten auf unangenehme Fragen, das sollen doch bitte andere tund.
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Re: ISAF - Aktuelle Entwicklungen (Forts. II)

Beitragvon muck am 17 Dez 2009 02:43

Hab auf solche Späße keine Lust mehr, bzw. nicht mehr die Lust, die Energie aufzuwenden. Wer sich die gestrige Bundestagsdebatte angesehen hat, wird wissen, was ich meine.
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Re: ISAF - Aktuelle Entwicklungen (Forts. II)

Beitragvon Venom am 17 Dez 2009 11:33

nOOb, wenn man sich hier die Lebensläufe der Mitglieder des V-Ausschusses anguckt, wird man meist eh erschreckt sein, dass sowenig gedient haben.

http://www.bundestag.de/bundestag/aussc ... ieder.html
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Re: ISAF - Aktuelle Entwicklungen (Forts. II)

Beitragvon SEB am 17 Dez 2009 13:10

Normaler weise sollten Politiker in solchen Krisen und Kriegsähnlichen Zuständen zusammen halten.
Aber hier ist das wohl nicht möglich.

Es wäre echt gut, diese Politiker mal den ernst der Lage hautnah erleben zulassen und sie dort einsetzen, aber nicht nur für einen Tag im Feldlager. Nein, mehrere Tage und mit der Truppe an den Brennpunkten. Ich denke, sie würde anderster dann entscheiden und denken! :wink:

Und die Opposition hatte doch mit dem Einsatz in Afghanistan begonnen. Nur die anderen müssen das schwere Erbe jetzt weiter führen...........

Wie war das noch mal, „Deutschland wird am Hindukusch verteidigt“ :o
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Re: ISAF - Aktuelle Entwicklungen (Forts. II)

Beitragvon AVZ am 17 Dez 2009 13:32

EXAKT: und das kam von rotgrün!!!!!

und genau diese politischen schwätzer sprechen nun vorwurfsvoll davon, dass man die BW nicht nach afghanistan geschickt hätte um taliban zu töten.

FRAGE: wie wird denn verteidigt? indem wir brunnen bauen -ja auch, aber wenn das die sicherheitslage nicht zulässt, dann muss die sicherheit wiederhergestellt werden. da sich der talib wehrt - wird er bekämft. ganz einfach.

@KTzG: tolle neue offenere infopolitik mit dem embeded Uli Gack.
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Re: ISAF - Aktuelle Entwicklungen (Forts. II)

Beitragvon funker27 am 17 Dez 2009 21:59

Immerhin haben unsere Soldaten das richtige "Tarnmuster" für den Distrikt Char Darah.

Bild
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Re: ISAF - Aktuelle Entwicklungen (Forts. II)

Beitragvon muck am 17 Dez 2009 22:19

Wir hatten es vor einigen Tagen mal von den Kapazitäten anderer Kontingente: Die Franzosen haben heute in Kapisa eine Operation gestartet, an der 800 Soldaten teilnehmen.

//edit

Noch was zum Weinen: Bei den Franzosen fliegt laut Le Monde der Tiger die Angriffe.

Und was die Fachkompetenz des "Spiegel" angeht: Hier ist heute von "Angehörigen der 263. Fallschirmspringereinheit" die Rede.

Nun denn.
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Re: ISAF - Aktuelle Entwicklungen (Forts. II)

Beitragvon Vanguard am 18 Dez 2009 00:37

Na komm, die Franzosen sind ja auch nur in Kabul.

Tiger im Einsatz?
Super, dann setzten die Franzosen halt einen von ihren drei Tiger ein. Hammer News! Als ob es darauf ankommt :roll:

Die Franzosen sind die letzten, die mich wegen ihres heldenhaften Auftritts in AFG beeindrucken... Kennt jemand außer den Franzosen noch das afghanische Ayia Napa? :mrgreen:

Im oben erwähnten SPON Artikel stand auch was von wegen "robuster Artillerie". Was soll das sein jenseits der 120mm Mörser? PzH2000?

Find ich immer lustig. Selbsternannte "Experten", die noch nicht mal wissen, dass es Fallschirmjägerbataillon heißen muss. Man stelle sich mal vor, der Redaktuer im Ressort Innenpolitik würde unsere Kanzlerin der SPD zuordnen? Was wäre da wohl los?!

Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 82,00.html
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Re: ISAF - Aktuelle Entwicklungen (Forts. II)

Beitragvon muck am 18 Dez 2009 01:01

Es sagt doch keiner, "dass es darauf antut".

Wobei es die Soldaten im Einsatz bestimmt interessiert! ;)

Die Frage ist nur - wenn denn der politische Wille da wäre, wann könnte der erste deutsche Tiger in Afghanistan fliegen?
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Re: ISAF - Aktuelle Entwicklungen (Forts. II)

Beitragvon Gedönsmoped am 18 Dez 2009 01:36

Super, dann setzten die Franzosen halt einen von ihren drei Tiger ein. Hammer News! Als ob es darauf ankommt


Gloablstrategisch wahrscheinlich nicht, aber für den Stoppelhopser da unten der mit seiner Kompanie in eine Operation reinläuft ist so ein Hubschrappschrapp über dem Kopf wohl ganz nett.

Klar, 300 voll aufgemotze Hind Angriffshelis wären noch schöner, aber so ein Tiger hat auch schon ein nettes Potential.

Und angeblich ist sogar 1 immer noch mehr als 0.
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Re: ISAF - Aktuelle Entwicklungen (Forts. II)

Beitragvon Coco am 18 Dez 2009 09:25

http://www.focus.de/politik/deutschland/afghanistan-kriegsrecht-fuer-deutsche-soldaten_aid_464255.html


Kriegsrecht für deutsche Soldaten
Die Rechtslage für die Bundeswehr am Hindukusch ist schwammig. Auf FOCUS-Anfrage stellt das Verteidigungsministerium klar: Für die Truppe gilt das Völkerrecht – und damit die Regeln des Krieges.

Von FOCUS-Korrespondent Thomas Wiegold

Der fatale Luftangriff von Kundus am 4. September hat die innenpolitische Debatte über die Bundeswehrmission in Afghanistan angeheizt. Eine wesentliche Rolle für die Umstände des Angriffsbefehls, den der deutsche Oberst Georg Klein gab, spielt die Frage nach seiner rechtlichen Grundlage: Agieren deutsche Soldaten am Hindukusch nach Polizeirecht wie in der Heimat – oder dürfen sie nach dem so genannten humanitären Völkerrecht mit militärischer Gewalt den Gegner auch dann bekämpfen, wenn sie nicht in Notwehr zurückschießen?

Nachdem Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bereits darauf verwiesen hatte, nach seiner persönlichen Ansicht handelten die Soldaten in einem „nicht internationalen bewaffneten Konflikt“, hat sein Ressort jetzt Klarheit geschaffen. In einer offiziellen Stellungnahme auf Fragen von FOCUS erklärte das Ministerium, auf der Grundlage der Mandate von UN-Sicherheitsrat und Bundestag sei die Afghanistan-Schutztruppe Isaf autorisiert, „alle erforderlichen Maßnahmen einschließlich der Anwendung militärischer Gewalt“ zu ergreifen, um das UN-Mandat durchzusetzen. In beiden Beschlüssen seien „ausdrückliche Einschränkungen nicht erfolgt“ – damit würden den bei Isaf eingesetzten Soldaten „Befugnisse erteilt, die über bloße Notwehr- und Nothilferechte hinausgehen“.

Schießen, nicht nur in Notwehr

Im Klartext: Einschränkungen für den Einsatz der Bundeswehr gibt es nach Ansicht des Ministeriums nicht durch innerstaatliche deutsche Bestimmungen, sondern nur durch das weltweit gültige humanitäre Völkerrecht, im Volksmund widersprüchlich als Kriegsrecht bezeichnet. Das bedeutet unter anderem, dass militärische Gegner jederzeit bekämpft werden können, nicht nur in Notwehrsituationen.

Mit der Erklärung rückte das Verteidigungsministerium von seiner früheren Haltung ab, tödliche Gewalt setzten deutsche Soldaten „allenfalls als ultima ratio in konkreten Selbstverteidigungssituationen ein“. Das Verbot des Tötens nach allgemeinem Strafrecht war im Afghanistan-Einsatz seit jeher eingeschränkt. Aber unter der Einstufung als „Stabilisierungsmission“ ähnelte die zulässige Ausnahme dem deutschen Polizeirecht: Waffengewalt, auch mit Todesfolge, war erlaubt zur Notwehr (Selbstverteidigung der Soldaten gegen Taliban-Angreifer) oder Nothilfe (für angegriffene Verbündete oder Zivilpersonen).

Die neue Ehrlichkeit des Verteidigungsministeriums sieht die Bundeswehr am Hindukusch jetzt im „nicht internationalen bewaffneten Konflikt“, also im inneren Krieg Afghanistans an der Seite der anerkannten Regierung. Damit gilt das Völkerstrafgesetz, das zivile Todesopfer nicht prinzipiell verbietet. Aber es lädt Befehlshabern schwere Verantwortung auf: Verboten bleibt, sehenden Auges oder mit Absicht in Kauf zu nehmen, dass das Ausmaß der Zivilopfer „außer Verhältnis zu dem insgesamt erwarteten konkreten und unmittelbaren militärischen Vorteil steht“. Für Oberst Klein bedeutet das vor allem, dass sein Angriffsbefehl sich daran messen lassen muss, ob er zu viele zivile Opfer wissentlich in Kauf genommen hat – kann ihm das nachgewiesen werden, muss er mit Bestrafung rechnen.

Mehr dazu lesen Sie im neuen FOCUS

soweit der Inhalt..
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Re: ISAF - Aktuelle Entwicklungen (Forts. II)

Beitragvon funker27 am 18 Dez 2009 12:31

Wow :o

Ich bin begeistert. Guter Mann, dieser Guttenberg. Ging ja ruck-zuck.
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