Egal was man macht, man ist immer selbst schuld. Ob gut oder schlecht.
Und wo man sonst hin kann liegt wohl an dir selbst und dem was du willst. Aber das ist nicht das Thema des Threads.
[...] Es gibt Hinweise, dass Guttenberg längst über gravierende Mängel bei der
Ausbildung auf der Gorch Fock informiert sein musste − aus zahlreichen Studien,
die das Verteidigungsministerium in Auftrag gab. Das sozialwissenschaftliche
Institut der Bundeswehr untersuchte die „seemännische Basisbildung“ über Jahre,
befragte die Offiziersanwärter und kam zu alarmierenden Ergebnissen, die dem
Verteidigungsministerium vorgelegt wurden.
Bei der Analyse der Ausbildung habe man „eine stetig steigende Unzufriedenheit“
festgestellt, heißt es 2008. Die Ausbildungsinhalte wie auch die technischen und
organisatorischen Rahmenbedingungen sowie die Anerkennung durch die Vorgesetzten
würden „kontinuierlich schlechter bewertet“. Die Beschwerden hätten sich in den
Jahren 2005 und 2006 sogar „jeweils etwa verdoppelt“. Der Anstieg sei
„bemerkenswert“, schreiben die Wissenschaftler. Die Kritik an der fehlenden
Anerkennung durch die Vorgesetzten sowie an dem Verhalten der Stammbesatzung
bleibe wie auch in den folgenden Jahren bestehen, „wodurch die Notwendigkeit von
Veränderungen hier nochmals unterstrichen wird“.
Schon 2006 verzeichnet die Studie 77 negative Einzelnennungen einer Crew über
ihre Ausbilder. Von rüdem Umgangston, Arroganz, Schikane, sinnlosem Putzen,
Verachtung und vielen Konflikten ist die Rede. Hinzu kommen eine als katastrophal
empfundene schlechte und unhygienische Verpflegung sowie mangelnde
Möglichkeiten der Erholung.
Zwar gibt es von Crew zu Crew unterschiedliche Werte, doch die Kernprobleme
bleiben über die Jahre 2005 bis 2010 gleich. Das „problembehaftete Verhältnis
der Marineoffizieranwärter zur Stammbesatzung“ stellen die Wissenschaftler auch
2009 wieder fest. Es gehe sowohl um „persönliches Verhalten der Vorgesetzten wie
auch die Art der Dienstführung“, berichten sie ans Verteidigungsministerium.
Was hat Guttenbergs Ministerium mit diesen Erkenntnissen gemacht? Wer diese
schlichte Frage stellt, erlebt merkwürdige Dinge: Zuständig sei im Ministerium
Fregattenkapitän Stefan Berger, heißt es zunächst. Doch Berger verweist im
Ministerium an Oberfeldarzt Kai-Siegfried Schlolaut, der gebe Auskunft.
Schlolaut wiederum verweist an das Presse- und Informationszentrum der Marine in
Glücksburg. Dort sagt der Sprecher der Marine, für Anfragen sei Fregattenkapitän
Berger im Ministerium in Berlin zuständig. Der ist am Donnerstag nicht mehr zu
erreichen und reagiert auch auf eine E-Mail nicht mehr. Ein Anruf beim
Marineamt, zu dem die Marineschule in Mürwik und die Gorch Fock gehören: Man
habe noch nie von Auswirkungen der Studie auf die Ausbildung gehört, heißt es
dort. Doch für Auskünfte sei einzig Fregattenkapitän Berger zuständig. [...]
Bei der Analyse der Ausbildung habe man „eine stetig steigende Unzufriedenheit“
festgestellt, heißt es 2008. Die Ausbildungsinhalte wie auch die technischen und
organisatorischen Rahmenbedingungen sowie die Anerkennung durch die Vorgesetzten
würden „kontinuierlich schlechter bewertet“. Die Beschwerden hätten sich in den
Jahren 2005 und 2006 sogar „jeweils etwa verdoppelt“. Der Anstieg sei
„bemerkenswert“, schreiben die Wissenschaftler. Die Kritik an der fehlenden
Anerkennung durch die Vorgesetzten sowie an dem Verhalten der Stammbesatzung
bleibe wie auch in den folgenden Jahren bestehen, „wodurch die Notwendigkeit von
Veränderungen hier nochmals unterstrichen wird“.
rüdem Umgangston, Arroganz, Schikane, sinnlosem Putzen,
Verachtung und vielen Konflikten ist die Rede. Hinzu kommen eine als katastrophal
empfundene schlechte und unhygienische Verpflegung sowie mangelnde
Möglichkeiten der Erholung.
Offener Brief
Besatzung Segelschulschiff GORCH FOCK
Schweriner Straße 17a
24106 Kiel
Sehr geehrter Herr Minister,
mit diesem Brief möchten wir uns als Stammbesatzung zu den Behauptungen, die in der Presse kursieren, äußern. Des Weiteren soll dieser Brief Ausdruck und Zeichen sein, wie sehr die Stammbesatzung hinter ihrem Kommandanten steht.
Unfall Salvador de Bahia
Der Unfall unserer Kameradin in Salvador war für alle ein harter Schlag und nicht leicht zu verarbeiten. Dies hat man sehr deutlich am Zustand der Besatzung feststellen können, vor allem bei den direkt betroffenen Soldaten in der Takelage und an Deck. Daher ist es uns unverständlich, Äußerungen zu hören, welche uns Ausbilder als Menschenschinder bezeichnen. Dies ist ein Schlag ins Gesicht jedes Einzelnen hier an Bord und Rufmord!
Dies alles sind Äußerungen von Petenten, die ein grundsätzliches Problem mit der Gorch Fock haben. In Salvador war eine Besatzungsfeier auf der Pier geplant. Diese wurde natürlich abgesagt. Vielmehr hat der Offizierslehrgang am letzten Tag in Salvador für die Besatzung und die Ausbilder ein Bier ausgegeben, um gemeinsam die Geschehnisse zu besprechen und die gute/richtige Reaktion der Schiffsführung auf diesen Unfall zu würdigen. Dies alles geschah im Gedenken an unsere verstorbene Kameradin und war vom Lehrgang gewünscht und initiiert. Das in der Presse veröffentlichte Bild entspricht somit nicht den Tatsachen!
Umgang mit der Situation
Die Schiffsführung setzte nach dem Unfall die Enterübungen aus und gestaltete den Dienstbetrieb neu und sinnvoll für alle Beteiligten. Unmittelbar nach dem Unfall suchten die Ausbilder und Vorgesetzten das Gespräch mit dem Lehrgang. Nach den administrativen Erstmaßnahmen wurde ein deutscher Pfarrer aus Salvador benachrichtigt, welcher mit zwei ausgebildeten PEERs (Sanitätsmeister der Besatzung) die seelsorgerische Betreuung an Bord übernahm. Hier hat die Schiffsführung unserer Meinung nach richtig gehandelt und sich fürsorglich um die Besatzung gekümmert. Gerade bei dem Thema „Umgang mit der Unfallsituation“ hörten wir immer nur das Wort „Kadetten“. Wer denkt dabei an die Ausbilder, die diesen Unfall direkt miterlebt haben und die in der Takelage verbliebenen Kadetten sicher an Deck begleitet haben? Diese Jungs haben in einer extremen Situation hervorragende Arbeit geleistet und die Beherrschung behalten.
Der Lehrgang wurde umgehend unter Deck geschickt, um die verunfallte Kameradin nicht sehen zu müssen. Die Stammbesatzung, sprich die Ausbilder, haben an Oberdeck alles Menschenmögliche getan, um der Kameradin zu helfen und sie vor neugierigen Blicken zu schützen.
Kommandoenthebung des Kapitän zur See Schatz
Auch ist uns allen mehr als unverständlich, einen Kommandanten, der allseits beliebt ist, gut zu seiner Besatzung war und viele Entbehrungen auf sich und seine Familie genommen hat, um das Schiff gut zu führen, so abzuservieren, wie es hier der Fall war. Warum wurde ein zuverlässiger, loyaler Offizier ohne Untersuchung bzw. Untersuchungsergebnis so behandelt und bloßgestellt?
Auch fehlte uns der Rückhalt unserer übergeordneten Dienststellen, welche sich zu keiner Zeit vor uns stellten oder sich nach unserem Befinden erkundigt haben. Dies alles vor dem Hintergrund unbestätigter Anschuldigungen, welche eine Gruppe von Petenten (Offiziersanwärter) in Form einer Eingabe an die Öffentlichkeit gebracht haben.
Vorgaben zur Durchführung einer Segelvorausbildung
Der Lehrgangsteilnehmer soll behutsam und unter Aufsicht physisch und psychisch bis an die Grenzen seiner individuellen Belastbarkeit geführt werden, damit er ruhig, sicher und beherrscht handeln kann, wenn er im Einsatz in die Lage höchster Gefahr für das eigene Leben kommt. Der OA (Anm. d. Red.: Offiziersanwärter) erfährt und verinnerlicht die Grundsätze und Ziele der Inneren Führung, den Sinn von Disziplin, Selbstdisziplin und Gehorsam.
Dabei kommt es darauf an, dass der OA im Rahmen der Segelvorausbildung durch die Vermittlung von theoretischen seemännischen Grundkenntnissen und –fertigkeiten sowie durch drillmäßiges Segelexerzieren den Umgang mit Segeln sowie stehendem und laufendem Gut beherrscht und die erforderlichen Sicherheitsaspekte beachtet.
Umsetzung an Bord:
Die Ausbilder an Deck haben Weisung, bei Erkenntnissen, die eine vorübergehende Einschränkung der Entertauglichkeit nahe legen, die betroffenen Soldaten beim Schiffsarzt vorstellig werden zu lassen. Ein Entern allein auf freiwilliger Basis hat an Bord der Gorch Fock bis zum Unfall am 07.11.2010 nicht stattgefunden. Vielmehr waren alle Kadetten, die die genannten Voraussetzungen erfüllten, gehalten, an den Enterübungen teilzunehmen. Soldaten, die sich bei den Enterübungen schwer taten wurden unter besonderer Aufsicht weiter am Topp bzw. durch einen Ausbilder individuell am Besanmast ausgebildet und dabei behutsam an das Lehrgangsziel herangeführt.
Richtlinien für das Entern ab dem 11.11.2010 (nach dem Unfall in Salvador de Bahia): Auf Weisung des Kommandanten fanden weitere Enterübungen nur noch auf freiwilliger Basis statt (Am ersten Tag gingen 20 OAs von 70 nicht in die Takelage, am zweiten Tag nur noch 14).
Wie oben ersichtlich, wurden nach dem Unfall in Salvador einige neue Voraussetzungen festgelegt, um die Sicherheit der Soldaten bei Arbeiten/Ausbildungen in der Takelage zu erhöhen. Auch hier hat die Schiffsführung richtig – und unserer Meinung nach – nicht überzogen reagiert. Die Darstellungen in der Presse sind falsch und extrem verzerrt.
Natürlich müssen die Ausbilder gegenüber den Soldaten die Stimme erheben, denn wir bewegen hier einen Großsegler, mit ca. 2000qm Segelfläche im offenen Seeraum. Dieses Segeln findet nicht nur bei angenehmen Wetterverhältnissen statt, sondern auch bei schwerer See mit Windstärken bis zu Bft. 12. Dass ein Befehl beim Segeln für das Schiff und die an Deck befindlichen Soldaten sicherheitsrelevant ist und durch die erhöhten Windgeräusche laut ausgesprochen, bis hin geschrien werden muss, ist nur logisch und im Rahmen der Fürsorgepflicht richtig.
Daher muss im Hafen eine hohe Leistungsbereitschaft der Lehrgangsteilnehmer hergestellt werden, um das Schiff im Seebetrieb sicher zu führen. Der Kommandant hat sogar die Pflicht, eine hervorragende Ausbildung zu verlangen, so dass er mit der Besatzung das Schiff sicher bewegen kann, und das zum Wohl aller an Bord und anderer Verkehrsteilnehmer. Lehrgangsteilnehmer, die mit dieser Situation nicht zurecht kommen, sollten sich überlegen, ob sie den richtigen Beruf gewählt haben. Denn dieser Ausbildungsabschnitt gehört nun mal zur Offizierbasisausbildung dazu.
Vorwürfe wegen sexueller Belästigung
Lapidar geäußerte Sprüche von jungen Soldaten wie die in der Presse aufgeführten sind und bleiben schlechte Sprüche unterhalb der Gürtellinie und sind auch nur Sprüche!
Zu keiner Zeit wurde hier an Bord ein Soldat von einem anderen angefasst oder gar sexuell belästigt. Natürlich ist die Schiffsführung über die gefallenen Äußerungen nicht erfreut gewesen und hat daher entsprechende Konsequenzen gezogen, nämlich eine Musterung mit deutlichen Worten des Kommandanten an die Soldaten. So etwas wurde und wird hier an Bord nicht toleriert!
Der Name GORCH FOCK ist nach diesen Vorfällen nur noch sehr schwer reinzuwaschen. Dies bedauern wir und – wie wir denken – auch ein Großteil der deutschen Bevölkerung, die immer stolz auf ihre „Weiße Lady“ war, zutiefst! Wie viele Empfänge und Reisen wurden mit diesem Schiff durchgeführt. Überall, wo es auftauchte, freuten sich die Menschen über das Schiff und unser Land.
Natürlich haben sich Politiker jeder Parteizugehörigkeit und übergeordnete Instanzen sehr gerne im Schein dieses Schiffes gefeiert. Genau diejenigen, die uns jetzt fallengelassen haben.
Wir hoffen, sehr geehrter Herr Minister zu Guttenberg, Sie verstehen nun auch die Sicht der Stammbesatzung, die immer ihr Bestes gegeben hat, um sicher und qualitativ hochwertig Kadetten an Bord auszubilden. Wir werden nun in der Presse als schlechte Menschen, ja gar als Unmenschen dargestellt. Dies macht uns und unseren Familien sehr zu schaffen.
Wir, die Stammbesatzung der Gorch Fock, fühlen uns sehr alleine gelassen – hier am Ende der Welt.
Hochachtungsvoll,
Besatzung Segelschulschiff GORCH FOCK

Kapitän nimmt Abberufung nicht hin
Der von Verteidigungsminister Guttenberg abberufene Kapitän des Segelschulschiffs „Gorch Fock“, Norbert Schatz, erwägt, juristisch gegen die umstrittene Entscheidung vorzugehen.
„Einer Suspendierung vom Dienst muss ein rechtliches Gehör des Betroffenen voraus gehen“, erklärte der Wilhelmshavener Rechtsanwalt Hans-Joachim Heine, der Schatz vertritt, gegenüber FOCUS. Ein rechtliches Gehör aber habe es im Fall seines Mandanten nicht gegeben. „Nach allem, was mir bekannt ist, war die Art und Weise der Entlassung grob fürsorgewidrig“, so Heine. Der Vertragsanwalt des Bundeswehrverbandes prüft, sich an das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zu wenden, damit „der erste Wehrsenat die Rechtswidrigkeit dieser Suspendierung feststellt“.
Das Argument des Verteidigungsministers, er habe Schatz mit der Enthebung seines Kommandos aus der Schusslinie nehmen wollen, hält Heine für „nicht nachvollziehbar“. Das Kommando sei an den 1. Offizier übergeben worden, „gegen den sich ebenfalls die Untersuchungen richten“, so Heine zu FOCUS.
Unterdessen begann die Kieler Staatsanwaltschaft im Fall der tödlich verunglückten Offiziersanwärterin Sarah Lena Seele mit neuen Vernehmungen. In der Marineschule Mürwik (Flensburg) befragten Ermittler mehrere Offiziersanwärter als Zeugen. Die Gespräche lieferten keine neuen Ergebnisse. „Ein Fremdverschulden am Tod von Sarah Lena ist nach wie vor nicht erkennbar“, sagte Oberstaatsanwalt Bernd Winterfeldt zu FOCUS. In wenigen Wochen wird Winterfeldt voraussichtlich die Akten schließen. Die 25-Jährige war am 7. November 2010 aus 27 Metern Höhe auf das Deck gefallen und später an ihren Verletzungen gestorben.
„Unfall war vermeidbar“
Die Mutter der Verstorbenen, Angelika Seele, hegt starke Zweifel an der Bewertung der Staatsanwaltschaft. Ihr Anwalt Thomas Kock sagte FOCUS: „Der Unfall war vermeidbar.“ Es sei „offenkundig“, dass „Ausbildungsfehler“ den Tod verursacht hätten.
Als „Schande“ bezeichnete der ehemalige Kommandant der „Gorch Fock“, Hans von Stackelberg, die Tatsache, dass der bereits entmachtete Kapitän Schatz über Tage „wie ein geprügelter Hund vor der Besatzung“ auf dem Schiff ausharren musste. „Für einen Kommandanten gibt es nichts Schlimmeres.“ Von Stackelberg betonte, dass es in dieser Sache nur „zwei soldatisch und menschlich korrekte Wege“ hätten geben können: Entweder hätte man den Kommandanten sofort in ein Flugzeug nach Deutschland beordern oder ihm das Kommando für die sofortige Rückkehr der „Gorch Fock“ erteilen müssen.
In einer repräsentativen Emnid-Umfrage für FOCUS sprachen sich 51 Prozent der Deutschen gegen eine Stilllegung der „Gorch Fock“ aus. 37 Prozent plädierten dafür.
Focus online vom 29.01.11

S.P.O.N. - Der Schwarze Kanal
Sonnencreme und Kriegshandwerk
Von Jan Fleischhauer
Das Problem bei der Ausbildung auf der "Gorch Fock" ist nicht die Härte des Drills, sondern die Wehleidigkeit der Kadetten. Mit Gleichstellungsbeauftragten und Mobbingberatung ist im Kampfeinsatz leider nicht viel auszurichten.
Diese Woche werden wir wieder Neues vom Leben auf der "Gorch Fock" erfahren, die Marineführung will einen ersten Bericht vorlegen. Man darf gespannt sein. Die letzte Enthüllung über ein paar Runden Wasserski auf offenem Meer war ja eher enttäuschend. Die Betroffenheit ist schon jetzt groß, von "unhaltbaren Zuständen" und "schikanösen Befehlen" ist die Rede. "Solche Skandale, die in erster Linie Vorgesetzte zu verantworten haben, schaden dem Ansehen der Bundeswehr", erklärte der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Philipp Missfelder, übers Wochenende.
Doch wo genau liegt eigentlich der Skandal?
In der rauen Behandlung an Bord, die aus Abiturienten Soldaten machen soll, oder nicht eher in der Wehleidigkeit der Marinekadetten, die den Kommandanten dazu veranlasste, sich über deren mangelnde körperliche Tüchtigkeit zu beklagen?
Natürlich ist es nicht schön, von seinen Vorgesetzten angeherrscht oder angebrüllt zu werden, das hat niemand gerne, aber in einem normalen Unternehmen pfeifen einem auch keine Kugeln um die Ohren. Was die sogenannten Ekelrituale angeht, lässt sich nur sagen: Da ist man von jeder Folge "Dschungelcamp", an dem sich gerade die halbe Nation weidete, Schlimmeres gewöhnt. Gewinner Peer Kusmagk wäre froh gewesen, wenn er den Kopf nur in ein bißchen braune Pampe hätte stecken müssen. Der arme Kerl wurde zum Abschluss mit Ratten in einem Sarg gesteckt, so sieht Menschenschinderei aus!
Vielleicht muss man an dieser Stelle doch einmal darauf hinweisen, dass es sich bei den Kadetten, die sich beim Wehrbeauftragten über einen unerträglichen Druck an Bord beklagten, nicht um Rekruten handelt, sondern um Offiziersanwärter, also Männer und Frauen, von denen man erwartet, dass sie später im Gefecht einen kühlen Kopf bewahren und die richtigen Befehle geben. Unter Feindbeschuss kann man leider auch nicht mit dem Hinweis, man habe noch Sonnencreme an den Fingern, das Gewehr zur Seite legen.
Aber das ist möglicherweise ja genau das Missverständnis, das dem Fall nun solche Aufregung beschert: Das Kriegshandwerk ist mit der Käßmann-Kultur, in der man vorzugsweise mit dem Herzen denkt und anderen mit ganz viel Verständnis begegnet, nur bedingt kompatibel. Wir haben uns offenbar immer noch nicht an den Gedanken gewöhnt, dass der Wille zu töten im Krieg unabdingbar ist - was uns allerdings nicht daran hindert, gleichzeitig im Bundestag das Afghanistan-Mandat zu verlängern und damit weitere Soldaten einem erstaunlich rücksichtslos agierenden Feind entgegenzuschicken.
Was nützt die Mobbingstelle im Einsatz?
Der Tod der jungen Kadettin, die beim Aufentern den Halt verlor, ist tragisch und für die Eltern ein grausamer Verlust, aber der Alltag in einer Armee ist zwangsläufig mit besonderen Gefährdungen für Leib und Leben verbunden. Seit Indienstnahme der "Gorch Fock" als Marineschulschiff sind dort sechs junge Menschen ums Leben gekommen, jedes Jahr gibt es bei der Bundeswehr tödliche Unfälle, weil sich versehentlich ein Schuss löst oder jemand unter eine Panzerkette gerät.
Wer vor allem Zahnmedizin oder Vergleichbares studieren will, dem kann man nur den Rat geben, dies an einer normalen Uni zu tun, das Militär ist dafür nicht der richtige Platz. Wo die Auszubildenden mit Waffen und scharfer Munition hantieren, wird es immer deutlich gefährlicher zugehen als in einem Labor oder Hörsaal.
Man kann nun eine Gleichstellungsbeauftragte an Bord schicken, wie es der Wehrbeauftragte empfohlen hat. Man kann neben der Kapitänskajüte auch eine Mobbingstelle einrichten und regelmäßige psychologische Schulungen für die Stammbesatzung abhalten. Aber all das wird nichts daran ändern, dass die genaue Kenntnis des Antidiskriminierungsgesetzes in kriegerischen Auseinandersetzungen nur bedingt weiterhilft.
Wichtiger - und jedenfalls zum Überleben weit vorteilhafter - ist die zuvor erworbene Fähigkeit, sich unerschrocken seiner Haut zu erwehren. Daran wird auch die Aufregung über den großen "Gorch-Fock"-Skandal in absehbarer Zeit nichts ändern.
Spiegel online
Blümchenarmee
Von Umbriel vom 31.01.2011
Der wohlmeinende SPON Artikel geht von falschen Voraussetzungen aus. Er unterstellt, daß es irgendwo noch einen Kosens zwischen eigentlich notwendigen Fähigkeiten er BW und der gemeinhin öffentlich debattierten Verteidigungs / BW Politik gebe.
Wer die Politikeräußerungen zu BW Themen vernimmt, wer sich die Parlamentsdebatten anhört, wer die üblichen Journalistenkommentare liest, der merkt doch ganz schnell, daß all dasa Geschreibsel und Gerede mit den wirklichen Erfordernissen und Problemen, speziell auch der Realität in Afghanistan, vermutlich überhaupt keinerlei Berührungspunkte vorweisen kann.
Und es kommt ja nocht schlimmer: Niemand erhebt den Anspruch darauf.
Die Realität auf der einen Seite und die politische Schönsprech auf der anderen Seite sind so weit voneinander entfernt, daß das, was wirklich gemeint ist, nur noch ganz arg verklausuliert zwischen den Zeilen transportiert werden kann.
Spiegel Forum
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