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Die Windschutzscheibe des Mercedes ist eingeschlagen; die Türen sind weit geöffnet. Plötzlich entdecken die drei Polizeibeamten einen Mann in einer Ecke der Tiefgarage: "Treten Sie langsam vor", befiehlt Polizeiobermeister Rheinbauer (die Nachnamen wurden von der Redaktion geändert). Der Täter folgt der Anweisung. Im Licht der Tiefgarage sehen die Polizisten ein Messer in seiner rechten Hand aufblitzen. "Werfen Sie das Messer weg", brüllt sofort einer der Beamten. Gleichzeitig ziehen zwei ihre Schußwaffe, Josef Rheinbauer hält den Mehrzweckeinsatzstock, auch Tonfa genannt, in der Hand.
"Ich bring Euch um!" antwortet der Delinquent. Er hebt das Messer über seine Schulter und verharrt in der Wurfposition. Anhand des Verhaltens des Täters und der Art, wie er das Messers handhabt, erkennen die Polizisten einen geübten Messerkämpfer.
In diesem Augenblick betritt eine Frau die Tiefgarage und öffnet die Heckklappe ihres Chrysler-Voyager. "Polizei, gehen Sie aus dem Weg!" schreit einer der Beamten. Die Frau reagiert nicht, dafür aber der Täter. Mit schnellen Schritten läuft er auf die Frau zu. Polizeibeamter Thomas Fox erkennt die Gefahr einer Geiselnahme und brüllt: "Stehenbleiben oder ich schieße!"
Als der Täter fünf Meter von der Frau entfernt ist, schießt er ihm in den Oberschenkel. Der Schuß zeigt keine Wirkung, der Beamte glaubt daneben geschossen zu haben. Mit dem linken Arm greift der Täter der Frau um den Hals und preßt sein Messer an ihre Halsschlagader, so fest, dass sie am Hals blutet. Rückwärtsgehend zerrt er sie mit sich. Der Täter setzt sich in den offenen Fond des Van, das Messer immer noch lebensbedrohlich am Hals seines Opfers. Thomas Fox und einer seiner Kollegen stehen vor dem Geiselnehmer, die Pistolen auf ihn gerichtet. Sie reden auf ihn ein und versuchen ihn zur Aufgabe zu überreden. Josef Rheinbauer kniet, für den Täter nicht sichtbar, hinter dem Kotflügel, rechts vom Geiselnehmer. Dieser versucht mit der rechten Hand, das Messer immer noch am Hals des Opfers, die Heckklappe des Fahrzeuges von innen zu schließen, was ihm beim ersten Versuch misslingt. Erneut greift er nach oben und blickt zur Heckklappe. Josef Rheinbauer erkennt die Situation in Sekundenbruchteile: Die kurze Unaufmerksamkeit des Täters ist die letzte Möglichkeit zum Zugriff, denn ist der Täter erst einmal im Fahrzeuginneren, droht die Geisellage zu eskalieren und "mobil" zu werden, wie es im Polizeijargon heißt. Entschlossen springt er aus seiner Deckung, ergreift den linken Arm mit dem Messer. Mit einem festen Ruck zieht er den Täter aus dem Fahrzeug. Das Messer fällt zu Boden. Während Thomas Fox mit der Pistole sichert, hilf der andere Beamte den Täter am Boden festzuhalten und zu fesseln. Jetzt erst sehen sie die blutige Wunde am Oberschenkel. Ein glatter Oberschenkeldurchschuss. Die Frau kommt mit dem Schrecken und einer kleinen Schnittverletzung davon - dank des entschlossenen und mutigen Einsatzes der Polizeibeamten. Während des späteren Gerichtsverfahrens sind sich Richter und Staatsanwalt einer Meinung: Bei einem derart gefährlichen Geiselnehmer wäre auch die Tötung des Täters, dass heißt ein Schuß in die Brust oder den Kopf, gerechtfertigt gewesen. Er ist kein unbekannter und stammt aus dem Rotlichtmilieu.
Wenige Tage später erhalten die eingesetzten Beamten eine Förmliche Anerkennung.
"Die Selbstverteidigungsausbildung hat mir sicherlich geholfen, diese Situation zu lösen. Es ist gut zu wissen, wie man jemandem im Notfall Schmerzen zufügen kann", sagt Josef Rheinbauer rückblickend. Er ist kein gewöhnlicher Polizist. Seit drei Jahren gehört er einer Sondereinheit der bayerischen Polizei an. Unterstützungskommando, kurz USK, heißt der Sonderverband, in dem der 28jährige Schwarzgurtträger seinen Dienst verrichtet. Auch sein Bruder ist Angehöriger dieser Einheit.
"Unsere Einschreitschwelle liegt über der der normalen Polizei, aber unter der des Spezialeinsatzkommandos (SEK)", erklärt Polizeihauptkommissar Jörg Saner den Auftrag seiner Dienststelle. Der 41jährige ist seit sechs Jahren dabei und stellvertretender Zugführer des zweiten Zuges. Drei Einsatzzüge gibt es im USK. Bei Razzien im Bereich der Organisierten Kriminalität, wie dem erfolgreichen Drogenfund in einem Asylantenwohnheim, kommen sie zum Einsatz. Breit gefächert sind die möglichen Einsatzszenarien dieser nicht alltäglichen Einheit. Sie treten in Aktion, wenn nach gefährlichen und bewaffneten Tätern gefahndet wird. Ist bei einem Gefangenentransporte mit einer Gefangenenbefreiung zu rechnen, werden sie eingesetzt (früher vom SEK durchgeführt). Auch das Durchsuchen von Wohnblöcken nach Verbrechern gehört zu ihren Aufgaben.
Anlass der Gründung waren die Todesschüsse an der Startbahn West (02.11.1987), als Extremisten während einer gewalttätigen Demonstration zwei Polizeibeamte erschossen. Der traurige Höhepunkt in der Eskalation militanter Linker. Die bayerische Regierung handelte schnell. Bereits vier Tage später wurde die Aufstellung von sogenannten Unterstützungskommandos beschlossen. Der originäre Aufgabenbereich umfasst laut Aufstellungsbefehl "den Einsatz bei Demonstrationen mit hartem Störerpotential, bei gewaltorientierten Ansammlungen und anlässlich von Versammlungen mit zu erwartenden Ausschreittungen". Kurzum: Bei der Gefahr schwerer Randale. Aus den Erfahrungen der Vergangenheit zeigte sich, dass viele der festgenommenen Demonstranten aus Mangel an Beweisen wieder freigelassen werden mussten. Daher die Zielvorgabe der bayerischen Polizeiführung: "Die Relation zwischen Straftätern und beweissicheren Festnahmen ist zu optimieren."
Im vergangenen Jahr hat das USK in München 556 sogenannte besondere Einsätze durchgeführt. Hinter dieser Behördenbezeichnung verbergen sich Einsätze, die eine besondere Ausbildung, Ausrüstung und Gefährlichkeit aufweisen. Gegen mit Messer und Schußwaffe bewaffnete Täter mußten sie 86 mal ausrücken. "Wir sind keine Harakiri-Kämpfer. Aber gefährliche Situationen erfordern Spezialisten", erklärt Hauptkommissar Saner selbstbewusst. Der zweifache Familienvater zählt zu den ältesten der Einheit. Die 36 Beamten seines Zuges sind zwischen 21 und 41 Jahre alt. Der Altersdurchschnitt liegt bei 30. Die Aufgaben des USK erfordern Fitness. "Wer zu uns will, der muss erst mal einen Test bestehen", sagt Carsten (38). Er war elf Jahre beim SEK, zuletzt als Ausbilder, bevor er vor zweieinhalb Jahren als Gruppenführer zum USK wechselte.
Bewerben können sich Polizeibeamte des mittleren und gehobenen Dienstes, die nach ihrer Ausbildung mindestens sechs Monate bei der Bereitschaftspolizei waren. Das Aufnahmeverfahren setzt sich aus polizeiärztlicher Untersuchung (weitestgehend den gesundheitlichen Anforderungen für den Einsatz im SEK entsprechend), Sporttest und Auswahlgespräch zusammen. Wer die sechsmonatige Probezeit besteht, kann beim USK bleiben. Einmal im Jahr ist für die USKler die Stunde der Wahrheit: Sie müssen im Verweiltest die sportlichen Leistungen des Auswahlverfahrens erfüllen, egal ob sie 25 oder 40 Jahre alt sind.
Das heißt beispielsweise: In 45 Sekunden beidbeinig 55 Mal über eine Bank springen und in 16 Sekunden viermal 18 Meter laufen und dabei jedesmal mit der Hand die Grundlinie berühren. Wer hier versagt, für den endet die Zugehörigkeit zum USK. Heute legt Helge den Verweiltest ab. Der stämmige Bayer mit Halbglatze und norddeutschem Namen nimmt es gelassen. Wie vorgeschrieben stemmt er beim Bankdrücken acht mal hintereinander 70 Prozent seines Körpergewichtes. Sein Gesichtsausdruck weißt keine Anzeichen von Anstrengung auf. Ebenso locker macht er sechs Klimmzüge, und weil es so einfach ist nochmal zwölf hinterher: "Manche hängen sich 10 Kg Eisengewichte an die Füße, um ein wenig ins Schwitzen zu kommen", kommentiert Jörg Saner das sportliche Treiben.
"Teamgeist ist uns absolut wichtig. Wir brauchen gute Polizisten, die gerne Sport treiben und begeisterungsfähig sind. Wichtig ist auch eine Form von Ritterlichkeit und Robin Hood Denken. Den Rest kann man lernen", sagt Carsten. Um das Zusammengehörigkeitsgefühl seiner Gruppenangehörigen zu fördern, lädt er sein Team auch schon mal zu sich nach Hause ein, wo sie mit seiner Familie den Abend verbringen.
Besondere Einsätze erfordern nicht nur besonderes Personal, sondern auch eine spezielle Ausrüstung. Jeder Angehörige des USK verfügt über eine persönliche Ausrüstung, die Streifenpolizisten nicht vergönnt ist. Da ist die olivgrüne Schutzweste, in die Keramikplatten eingeschoben werden können, um auch vor größerem Kaliber zu schützen. Außerdem verfügt sie über eine Stichschutzeinlage. Für Einsätze, bei denen es zu körperlichen Auseinandersetzungen kommen kann, z.B. mit Hooligans, hat jeder Beamte einen kombinierten Schienbein-Knieschutz, sowie Schulter- und Armschützer aus Kunststoff, ähnlich den Eishockeyspielern. Dazu kommt noch der Tiefschutz. Den Kopf schützt ein Helm mit durchsichtigem Kunststoffvisier. Beneidenswert ist auch der Goretex-Anzug.
Um den verschiedenen Einsatzszenarien und Gefährdungslagen gerecht zu werden, verfügen die Beamten über Maschinenpistolen (MP 5) vom Typ Heckler & Koch, die mit Zielfernrohren ausgestattet werden können, und über die Dienstpistole P7. Außerdem hat jeder USKler einen Mehrzweckeinsatzstock, ein Messer und ein Pfefferspray.
Zum Fesseln von Tätern führen die Polizisten Plastikhandfesseln, ähnlich den Kabelbindern des Elektrikers, und Handschellen mit sich.
Da viele ihrer Einsätze in Zivil erfolgen, haben die Angehörigen des USK eine "Polizeikennzeichnung. Dabei handelt es sich um einen hellgrünen, ärmellosen Nylonüberzug mit Reißverschluß, auf dem in reflektierenden Buchstaben "Polizei" auf der Vorder- und Rückseite steht.
Um ständig untereinander in Funkverbindung zu stehen, hat jeder ein eigenes Funkgerät mit Freisprechgarnitur. Dennoch wünschen sich die Beamten kleinere Geräte, insbesondere für verdeckte Einsätze in Zivil. Zum Fuhrpark gehören auch mehrere zivile Fahrzeuge für Observationseinsätze. Doch für Carsten, der während seiner Zeit beim SEK ausrüstungsmäßig verwöhnt wurde, ist die Ausrüstung zweitrangig: "Der Mensch ist wichtiger."
Um den besonderen Herausforderungen der gefährlichen Einsätze gewachsen zu sein, ist regelmäßiges Training im körperlichen und taktischen Bereich notwendig. "Trainingsstillstand ist für uns gleich Rückstand", meint Hauptkommissar Saner.
Heute hat der 2. Zug Tagesdienst. Da kein besonderer Einsatz ansteht, nutzen die Beamten die Zeit zur Ausbildung. In der Sporthalle ist eine Gruppe zum Nahkampftraining angetreten. Kalt wird ihnen nicht werden. Dafür sorgt ein Hindernisparcour, der als Aufwärmtraining dient. Die Polizisten klettern eine Sprossenleiter hoch. Oben angelangt schwingen sie sich seitlich zur anderen Seite und springen runter. Es folgt das nächste Kletterhindernis. Etwas länger brauchen die Beamten, um sich am dritten Hindernis, eine bis zur Decke reichende Leiter, wie Schlangen durch die weit auseinanderliegenden Sprossen, zu winden. Höhenangst scheint hier keiner zu haben. Dann noch schnell am Seil hochklettern. "Hier sind Kraft und Ausdauer gefragt", sagt der stellvertretende Zugführer Saner und deutet auf seine schnaufende Mannschaft. Damit sich keiner erkältet, jagt er sie gleich ein zweites Mal über den Parcour.
Nachdem sich ihr Puls wieder stabilisiert hat, treten sie vor einem Karré aus Judomatten an. Sie beginnen partnerweise mit Sparingübungen. Claudia (28), deutsche Meisterin im Ju-Jutsu, trainiert mit Josef Rheinbauer, ebenfalls Schwarzgurtträger. Von den 36 Beamten des Zuges sind neun Schwarzgurtträger. Sie üben verschiedene Angriffs- und Abwehrtechniken. Als Josef rechts zum Faustschlag ausholt, blockt Claudia den Schlag mit ihren beiden Unterarmen ab, greift mit der rechten Hand seinen Nacken und rammt ihn ihr rechtes Knie mit einer kurzen Bewegung in den Magen.
Am Nachmittag dann eine taktische Übung. Carsten schildert seiner Gruppe die Übungslage: "Ein mit einem Messer bewaffneter Täter hat sich in den Keller des Gebäudes zurückgezogen. Der Täter hat zuvor eine Person verletzt. Unser Auftrag ist die Durchführung der Festnahme." Seine sechs Gruppenangehörigen stehen im Halbkreis vor ihm, hören aufmerksam zu. Konzentriert bereiten sie sich auf den Einsatz vor. Über ihre olivgrünen Overalls ziehen sie die schußhemmenden Westen, auf denen in Leuchtschrift "Polizei" steht. Mit den Klettverschlüssen passen sie die lebensrettende Weste ihrem Körper an. Es wird nicht viel geredet. Zwei aus der Gruppe ziehen noch mal schnell an ihrer Zigarette. Den grünen Helm mit dem durchsichtigen Visier ziehen sie fest auf den Kopf und fixieren ihn mit dem Kinnriemen. Etwas unterhalb der Hüfte steckt die Dienstpistole P7, natürlich aus bayerischer Produktion, durchgeladen im Holster. Die Bewegungen sind ruhig, ohne Hektik. Ihren Mehrzweckeinsatzstock, ein aus Polycarbonat gefertigter Schlagstock mit Quergriff im oberen Drittel, haben sie in die Schutzweste, unter den Achseln, geschoben. Dieser Schlagstock dient auch als Abwehrmittel gegen Angriffe mit gefährlichen Gegenständen. Der Quergriff ermöglicht einen Rotationsschlag, was zu schweren Verletzungen führen kann. Jeder verfügt über ein Funkgerät, mit dem die Kommunikation unter den Gruppenmitglieder gewährleistet ist.
Lautlos nähert sich die Gruppe der Kellertür. Was sie dahinter erwartet, wissen sie nicht. "Für die Festnahme eines Messertäters würden eigentlich zwei oder drei Beamte genügen. Doch falls etwas unvorhergesehenes passiert - jemand blutet oder so - ist es besser mehr Leute zu haben," sagt Carsten. Drei Gruppenangehörige gehen rechts der Tür in Deckung, der vorderste hält ein Schutzschild vor sich. Die anderen drei positionieren sich links der Tür. Ein Teil der Gruppe hält den Mehrzweckeinsatzstock in der Hand. Für den Fall dass die Situation eskaliert, haben drei Teamangehörige ihre schußbereiten Pistole im Anschlag. "Zugriff freigegeben", sagt Gruppenführer Carsten. Der erste Mann rechts stößt die Tür auf. Zehn Meter vor ihnen steht der Täter in Kampfhaltung, bereit zum Angriff. In der Hand hält er ein überdimensionales Messer mit 20 cm langer Klinge und Sägezähnen auf dem Messerrücken. "Polizei, lassen Sie das Messer fallen", brüllt einer aus der Gruppe und unterbricht die Sekunden der Stille. "Ich bringe jeden um der sich nähert", schreit der Täter. Er schwingt das Messer vor seinem Körper. Eine unmißverständliche Geste.
Die Beamten springen aus ihrer Deckung in den Raum hinein, laut schreiend. Ihre Entschlossenheit wird auch durch die Drohgebärden des Messertäters nicht beeinträchtigt. Thomas Eller, der mit dem Schutzschild auf den Täter zustürmt, stößt es mit beiden Armen gegen die Messerhand des Delinquenten. Zwei, drei mal hintereinander. Der Täter weicht nach hinten aus. Der nächsten Schlag mit dem Schutzschild schleudert ihn seitlich an die Wand. Ein zweiter Beamte steht nun neben Thomas Eller. Er holt kurz aus und schwingt den Schlagstock auf den Unterarm des Täters, der die Augen zusammenkneift und den Mund aufreißt. Das Messer fällt zu Boden. Der Beamte greift dem Täter mit der Handinnenseite ins Gesicht - die Finger drücken auf seine Augen - und reißt ihn nach hinten zum Boden. Zwei Polizisten stürzen sich auf den Deliquenten. Einer dreht den linken Unterschenkel gegen das Kniegelenk, bis der Täter aufschreit. Ein anderer fesselt ihm bereits die Hände auf dem Rücken. "O.K, gut gemacht. Das Ganze noch mal", befiehlt Carsten seiner Gruppe. Während sein Team Position bezieht, erläutert er den psychologischen Aspekt bei der Festnahme: "Zunächst agiert der Täter. Wir müssen die Initiative übernehmen und dem Täter eine Reaktion vorgeben. Wenn einer mit dem Schutzschild auf ihn einschlägt, wird ihm ein defensives Verhalten aufgezwungen. Wir beschäftigen ihn. Er achtet nur noch auf den Beamten, der das Schutzschild hat. Die Schreie der Beamten sorgen für eine zusätzliche Reizüberflutung. Das gibt den anderen die Chance, den Täter zu entwaffnen und zu überwältigen. Das Schwierigste ist hier das richtige Timing." Um einen bewaffneten Täter zu überwältigen, hat das USK mehrere Optionen. Die gerade praktizierte Version gilt hier als die "weichste". Für ihn ist das Wichtigste, seine Leute "heil nach Hause zu bringen".
Beim USK betrachtet man einen geübten Messerkämpfer als einen äußerst gefährlichen Gegner. "Mit dem Messer kann man viele Schnitte machen. Da ist die Schlagader schnell durchtrennt. Der Täter kann ein Messer leicht verbergen", sagt Carsten. Als er noch beim SEK war, wurde einer seiner Kollegen beim Zugriff von einem Messertäter schwer verletzt. Ob der Täter ein erfahrener Messerkämpfer ist, erkennen die Beamten an der Messerhaltung und an seiner Körperhaltung.
Anschließend übt die Gruppe die Festnahme eines Täters im Fluchtfahrzeug. Ein Beamter sichert von vorne. Er zielt mit seiner Dienstpistole auf den Täter, während der andere die Tür aufreißt. Mit einem schmerzhaften Hebel motivieren die Polizisten den Delinquenten zum Aussteigen, und der landet bäuchlings auf den Asphalt.
Beim USK wird viel geschossen. Viel mehr als der normale Polizist. Jährlich sind es ca. 2500 Schuß je Beamter. Für den Streifenpolizisten sind 50 Schuß im Jahr vorgeschrieben. Die Ausbilder des USK versuchen das Schießtraining realitätsnah zu gestalten. Durch körperlichen und psychischen Stress sollen die Beamten auf den Einsatz des letzten Mittels vorbereitet werden. Neben den üblichen Zielscheiben werden Diaserien und Filme verwendet, die eine bestimmte Situation zeigen und in denen der Schütze in Sekundenbruchteilen entscheiden muss, ob er schießt. Carsten hat für das heutige Training einen Schießparcour aufgebaut. Ziel dieser Übung ist das Zusammenspiel im Team zu trainieren. Wo befindet sich mein Partner" Wie spreche ich mit ihm den Magazinwechsel im Feuergefecht ab, damit nicht beide gleichzeitig mit leeren Waffen vor dem Täter stehen" Und mit jedem Durchgang funktionieren die Absprachen untereinander besser. Die Beamten gewöhnen sich an die Streßsituationen.
Auf einem speziellen Übungsgelände üben die USKler auch regelmäßig verschiedene Einsatzszenerien mit Farbmunition.
Neulinge beim USK durchlaufen eine zweiwöchige Grundausbildung. Hier lernen sie die Feinheiten für ihre späteren Einsätze. Messerabwehr, taktisches Vorgehen gegen gewaltbereite Täter in Gebäuden und Fahrzeugen, Observation, Nahkampf und einsatzbezogenes Schießen.
Der Anteil der Einsätze gegen gewalttätige Demonstranten ist stark zurückgegangen. Nur noch selten kommt es in Bayern zu Ausschreitungen. Und wenn Menschen dann doch mal aneinander geraten, dann weniger aus politischen Gründen, sondern eher im Rahmen sportlicher Großereignisse, wie während eines Basketballturniers im vorletzten Jahr. In der "Individualisierung der Gesellschaft" sieht Carsten den Grund für das Ausbleiben von Demonstrationen, wie sie einst im bayerischen Wackersdorf oder an der Frankfurter Startbahn West an der Tagesordnung waren. "Auch für die eins gefürchteten Autonomen ist es schwer, eine gemeinsame Basis zu finden. Jeder hat seine eigenen Vorstellungen und jeder will seine Ideen durchsetzen. Da rauft man sich nicht mehr zusammen", erklärt der Gruppenführer Carsten.
Innerhalb der Polizei gab es viel Neid. In Deutschland gibt es eine große Skepsis gegen Sondereinheiten, anders als im Ausland. Manche notwendige Ausrüstungsgegenstände wurden dem USK verwehrt, mit der schwachen Begründung, sie seien kein SEK. Innerhalb der Polizei hatten sie lange gegen das Klischee der "coolen Rambos" zu kämpfen. Demonstranten schrien bei Einsätzen den Beamten "SS, SA, USK" entgegen. Doch den Eindruck gewissenloser Schläger vermitteln die Beamten nicht. "Wir haben zwar besondere Taktiken, aber wir schießen nicht mit Kanonen auf Spatzen. Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit ist Bestandteil unserer taktischen Konzepte", sagt Hauptkommissar Saner.
Der 2. Zug hat in der Regel drei Nachtschichten, drei Tagdienste und anschließend drei freie Tage.
Auch um potentielle Selbstmörder zu retten, rücken die Beamten schon mal an. Als auf einem Parkplatz ein Mann drohte, sich mit dem eigenen Messer umzubringen, schlugen die USKler mit ihren Schlagstöcken die Autoscheiben ein. Als ein Beamter ins Fahrzeug greifen wollte, stach der Mann nach dem Beamten. Einer der Polizisten schoß dem Selbstmörder durch die Tür in den Oberschenkel. Anschließend konnten sie den Mann aus dem Auto zerren.
Kommt es zu einer Geiselnahme, ist das USK für den Notzugriff bereit, falls die Lage eskaliert, bevor die Spezialisten vom SEK eintreffen.