Forumsteilnehmer von Sondereinheiten.de und [SEK]Duisburg trafen sich am 17.06.2001 in St. Augustin, um den Tag der offenen Tür des Bundesgrenzschutzes in Deutschlands größter BGS-Einrichtung zu besuchen. Nachfolgend der Bericht, verfaßt vom "Weissen Hai".
Wer sich einige Bilder ansehen möchte, kann dies am Ende des Berichts tun.
Vor allem Regen prägte die 50-Jahr Feier des BGS in St. Augustin. Das schränkte das Vergnügen zwar etwas ein, konnte aber insgesamt die gute Stimmung nicht verderben. Der BGS hatte alles aufgeboten, was er zu bieten hatte und präsentierte sich in seiner vollen Bandbreite. Publikumsmagnet blieben allerdings die Vorführungen mit GSG-9-Beteiligung.
Um 10.00 Uhr trafen sich die Herren Nils B., Philipp und ich am vereinbarten Treffpunkt. Zu polis und Krobi bestand "Funkverbindung". Die Damen wählten taktisch geschickt einen Seiteneingang, der es ihnen ermöglichte, ihr Auto in einem Wohngebiet zu parken und nicht auf einem Stoppelfeld (dieses Schicksal traf mich!). Kurzentschlossen verabredeten wir uns also bei der Vorführung der Maritimen Einsatzeinheit. Auf dem Weg dorthin konnten wir schon GSG-9-Fallschirmspringer bewundern, die zielgenau in der gelben Zone landeten, und wenig später stießen wir durch einen glücklichen Zufall auch auf unsere Damen.
Die Taucher-Vorführung hatte schon begonnen, als wir eintrafen. Gezeigt wurden: Geiselrettung aus einem Schlauchboot, Ein SET beim Überwinden eines Wasser-Hindernisparcours, ein Drei-Minuten-Apnoe-Tauchgang (drei Minuten im Wasser, ohne zu atmen), ein 50-Meter Unterwassermarsch sowie Aufentern und Abseilen auf einen an einem Feuerwehrkran hängenden Container in zwanzig Meter Höhe (mit Strickleitern rauf und Abseilsack herunter).
Auf dem Weg zur Flugvorführung sahen wir noch, wie sich Ausbildungsjahrgänge auf Judo-Matten schaukampfmäßig vermöbelten. Außerdem warfen wir noch einen kurzen Blick auf die Ausrüstung der Beweissicherungs- und Festnahmehundertschaften. Angesichts des gezeigten Könnens und der Ausrüstung komme ich zu dem Schluß, daß die Bilanzen nach gewalttätigen Demonstrationen, die immer von mehr verletzten Polizisten als Demonstranten sprechen, wohl eine Frage der Erhebung sein dürften: Von den Demonstranten können wohl nur die statistisch als verletzt erfaßt werden, die nicht irgendwie hinkend flüchten konnten, während auf Polizei-Seite wohl jede Fußprellung, die dadurch entsteht, daß schwere Körperpanzerungssysteme auf die Zehen fallen, zu den Verletzungen gerechnet wird. ;-D
Die Flugvorführung selbst beinhaltete sämtliche Hubschraubermuster, die der BGS zur Zeit fliegt: angefangen von dem Rettungshubscharauber Bo-105 über eine kleinere Bell und den Super-Puma bis hin zu moderneren Eurocopter-Mustern war alles dabei. Ein Eurocopter landete auf der Ladefläche eines LKW's. Zudem demonstrierte die GSG-9 verschiedene Absetz- und Abseiltechniken aus Hubschraubern, was die Zuschauer mit lautem Beifall feierten und einige Beamte sogar zu Verbeugungen hinriß.
Ebenfalls auf dem Flugfeld fand das wiederum von der GSG-9 vorgeführte "Fahren in besonderen Einsatzlagen" statt. Anhand der qualmenden Reifen und quietschenden Bremsen sah auch der Laie, daß die Autos (nagelneue BMW's, Audis und ein alter Mercedes) an die Leistungsgrenzen stießen. Zugriffe aus fahrenden Autos und das Stoppen flüchtiger Dealer rundeten die Vorführung ab.
In einem relativ kleinen Zelt präsentierte die GSG-9 ihre aktuelle Bewaffnung und Ausrüstung, darunter feuerfeste Einsatzkombination mit schußsicherer Weste, Ausrüstungsweste und Helm (in der Tat mit schwarzem Bezug), Springerausrüstung und Trockentauchanzug sowie ein Scharfschütze im Ghillie-Suit und Spezialzelt. Zudem konnte man die "9er" hautnah erleben und sie zeigten sich auch sehr aufgeschlossen. Interessanterweise war auch eine GSG-9-Beamtin vor Ort, die allerdings in einer reinen Stabsverwendung Dienst tat. In den SET sind derzeit definitiv keine Frauen.
An Großgerät wurden zahlreiche Spezialfahrzeuge der Technischen Einheiten ausgestellt. Kinder hatten zudem die Möglichkeit, ihre Treffsicherheit mit dem Wasserwerfer 9 unter Beweis zu stellen. Auch ein Sonderwagen 4, von dem der BGS nur noch etwa vierzig hat (weitere vierzig stehen allerdings angeblich fabrikneu im Depot) war zu bestaunen. Die gepanzerten, hochklappbaren Scheibenabdeckungen waren durch solche aus Plexiglas ersetzt worden. Die soll die eigentliche Panzerscheibe vor Steinwürfen schützen und dem Fahrer mehr Übersicht bei Demonstrationen gewähren, da er das Fahrzeug somit nicht mehr über Winkelspiegel fahren muß. Einerseits nachvollziehbar, für mich als militärisch denkenden, gelernten Leo-Mann allerdings "zu zivil".
Wo Licht ist, ist auch Schatten, und so komme ich zu den Kritikpunkten:
Mein Hauptkritikpunkt ist der, daß dieser "Tag der offenen Tür" in einem größeren Rahmen hätte stattfinden sollen. Weniger von den Besucherströmen her, sondern vom zeitlichen Ansatz: Zwei Tage wären einer "50-Jahr-Feier" der größten Dienststelle der Bundespolizei angemessener gewesen. Das hätte den Besucherstrom etwas regulieren können, und etwas mehr Spielraum bei dem viel zu eng gestrickten Programm gewährleistet. Man konnte nicht alles in Ruhe besuchen. Zwar hatten wir uns schon nur die "Rosinen herausgepickt" (danke nochmals an Herrn B.!), aber nur ein Sprint vom Flugfeld zum Schwimmbecken ermöglichte es uns, zwei interessante GSG-9-Vorführungen komplett anschauen zu können. Die Vorführungen der BFH bekam nur Herr Dany zu Gesicht. Der 14.00-Uhr-Termin ließ sich nur dergestalt einhalten, daß Dany die erste Hälfte am Ort verbrachte und ich ihn später ablöste. Leider stießen aber keine Forumsteilnehmer mehr dazu.
Publikumsmagnete, wie die GSG-9-Waffenausstellung, waren in viel zu kleinen Zelten zu finden, so daß es kaum möglich war, anständige Fotos zu machen, geschweige denn, alles in Ruhe anzuschauen. Dazu kam, daß sich natürlich alles bei den sintflutartigen Regengüssen in die Zelte drängte. Auch die übrigen interessanten Vorführungen waren überfüllt, das mit den Fotos galt hier sinngemäß.
Die Ausstellung "50 Jahre BGS" entpuppte sich enttäuschenderweise als eine gut zwanzig Meter lange Bildtafel-Schauwand. Ich hätte mir davon mehr erwartet, beispielsweise Ausstellung von Originaldokumenten, Waffen, Uniformteilen und Fahrzeugen, also etwas mehr "Museumscharakter".
Etwas mehr Pathetik wäre auch angebracht gewesen, beisipielsweise ein Festakt oder ein Großer Zapfenstreich. Aber da sich die "Polizei des Bundes" ja zunehmend zivilisieren will (siehe Auflösung der geschlossenen Einheiten, Abschaffung der traditionellen Schulterstücke zugunsten der bei weitem nicht bundeseinheitlichen Polizeisterne), paßt das wohl nicht mehr zum Leitbild.
Vor dem Hintergrund, daß der BGS angeblich zwei Jahre lang Zeit hatte, diese Veranstaltung zu planen, wiegen die Kritikpunkte noch schwerer.
Dennoch: Es war ein toller Tag in Sankt Augustin, nicht zuletzt wegen des Treffens einiger fundamentalistischer Forumsteilnehmer! Ich habe es jedenfalls nicht bereut, die Veranstaltung in Sankt Augustin zu besuchen, und auch die wackeren "sondereinheiten.de-Mitstreiter", die Damen krobi und polis sowie die Herren B., Dany und Philipp, gingen meines Erachtens auch zufrieden nach Hause.
Ich hoffe, ich konnte einen kurzen Überblick vermitteln und bin,
mit besten Grüßen,
Der Weisse Hai